Ev. Melanchthongemeinde Griesheim
- Herzlich Willkommen

Gedanken von Pfarrer Konrad Rampelt zum 3. Sonntag nach Trinitatis

Ihr Lieben,

am 28. Juni dieses Jahr sollte Gemeindefest sein. Das Fest der Gemeinde für die Gemeinde. Das Fest der Christen für Christen! Das Fest der Menschen für Menschen. Das ununterbrochene Fest der Melanchthongemeinde seit vielen Jahren. Seit über 25 Jahren war ich federführend mit Leib und Seele dabei. Schöne gute, süße Erinnerung. Dieses Jahr kann es nicht stattfinden. All die schönen vergangenen Gemeindefeste speichern wir auf unserem Nostalgiekonto.

klein traditionelles Luftsballonsteigen

Dieses Jahr wollte der Himmel es anders. Oder Corona? Oder? Wer will das so genau wissen, wer es anders wollte? Auf jeden Fall begehen wir dieses Jahr das Jahr der Veränderung. Sitten und Gewohnheiten mussten sich ändern. Unser Leben und Lebensweisen mussten sich ändern. Die Veränderung ist das einzig Unveränderte! So viel Veränderung macht zu schaffen. So viel Veränderung, schaffen wir das? So viel Veränderung wollen wir das? Will Gott so viel Veränderung mit uns? Gibt es Alternativen oder ist Veränderung alternativlos?  

Am heutigen Sonntag, den 3. Sonntag nach Trinitatis, geht es in den biblischen Geschichten bei Lukas 15 um die Freude über das Wiedergefundene!

Aus der Lutherbibel 2017 Lukasevangelium Kapitel 15

1 Es nahten sich Jesus, dem Christus, aber alle Zöllner und Sünder, um ihn zu hören. 2 Und die Pharisäer und die Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isst mit ihnen.

Vom verlorenen Schaf

3 Jesus sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach: 4 Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und, wenn er eines von ihnen verliert, nicht die neunundneunzig in der Wüste lässt und geht dem verlorenen nach, bis er's findet? 5 Und wenn er's gefunden hat, so legt er sich's auf die Schultern voller Freude. 6 Und wenn er heimkommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freut euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. 7 Ich sage euch: So wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen.

Vom verlorenen Groschen

8 Oder welche Frau, die zehn Silbergroschen hat und einen davon verliert, zündet nicht ein Licht an und kehrt das Haus und sucht mit Fleiß, bis sie ihn findet? 9 Und wenn sie ihn gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen und spricht: Freut euch mit mir; denn ich habe meinen Silbergroschen gefunden, den ich verloren hatte. 10 So, sage ich euch, ist Freude vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.

Vom verlorenen Sohn

11 Und Jesus sprach: Ein Mensch hatte zwei Söhne. 12 Und der jüngere von ihnen sprach zu dem Vater: Gib mir, Vater, das Erbteil, das mir zusteht. Und er teilte Hab und Gut unter sie. 13 Und nicht lange danach sammelte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land; und dort brachte er sein Erbteil durch mit Prassen. 14 Als er aber alles verbraucht hatte, kam eine große Hungersnot über jenes Land und er fing an zu darben 15 und ging hin und hängte sich an einen Bürger jenes Landes; der schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten. 16 Und er begehrte, seinen Bauch zu füllen mit den Schoten, die die Säue fraßen; und niemand gab sie ihm. 17 Da ging er in sich und sprach: Wie viele Tagelöhner hat mein Vater, die Brot in Fülle haben, und ich verderbe hier im Hunger! 18 Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. 19 Ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße; mache mich einem deiner Tagelöhner gleich! 20 Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn, und er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn. 21 Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße. 22 Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringt schnell das beste Gewand her und zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an seine Füße 23 und bringt das gemästete Kalb und schlachtet's; lasst uns essen und fröhlich sein! 24 Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein. 25 Aber der ältere Sohn war auf dem Feld. Und als er nahe zum Hause kam, hörte er Singen und Tanzen 26 und rief zu sich einen der Knechte und fragte, was das wäre. 27 Der aber sagte ihm: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das gemästete Kalb geschlachtet, weil er ihn gesund wiederhat. 28 Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Da ging sein Vater heraus und bat ihn. 29 Er antwortete aber und sprach zu seinem Vater: Siehe, so viele Jahre diene ich dir und habe dein Gebot nie übertreten, und du hast mir nie einen Bock gegeben, dass ich mit meinen Freunden fröhlich wäre. 30 Nun aber, da dieser dein Sohn gekommen ist, der dein Hab und Gut mit Huren verprasst hat, hast du ihm das gemästete Kalb geschlachtet. 31 Er aber sprach zu ihm: Mein Sohn, du bist allezeit bei mir und alles, was mein ist, das ist dein. 32 Du solltest aber fröhlich und guten Mutes sein; denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist wiedergefunden.

Ihr Lieben,

Gott findet sein verlorenes Schaf wieder und freut sich. Die Frau findet ihren verlorenen Groschen wieder und freut sich. Der Vater findet seinen verlorenen Sohn wieder und freut sich.2019

Der eine findet seine verlorene Liebe wieder und freut sich.

Die eine findet ihre verlorenen Träume wieder und freut sich.

Der andere findet seine verlorene Gesundheit wieder und freut sich.

Die Freude über das Wiedergefundene ist ganz groß.

Die Freude über die wiedergefundene Freude!

Die Freude über die wiedergefundene Hoffnung fließt über.

Die Freude über die wiedergefundene Liebe erfüllt den inneren Menschen mit tiefer Dankbarkeit. Gott sei Dank wenn die Seele singen, das Herz hüpfen und die Augen übergehen können.

Das ist schön und gut. Und was ist, wenn ich meins nicht wiederfinde? Wie viele finden das ihre nicht wieder! Wie viele irren in der Veränderung! Wie viele schmerzt die fremdbestimmte Veränderung, der sie nichts entgegensetzen können? Wie viele weinen allein in ihre Kissen? Wie viele lässt Gott allein? Wie viele findet er nicht? Wie viele leiden unter der ihnen verdonnerten Veränderung? Wie viel Leid spielt sich hinter Gottes Angesicht ab? Wo keiner hin sieht! Wo keiner dahinter kommt. Wo keiner für sie da ist? In der Einsamkeit des Grauens!

Bei all der Freude über das Wiedergefundene, die zum Himmel hoch jauchzen lässt; gibt es das schmerzliche Leid der Ungetrösteten, das die Seelen in die Tiefe zieht.

Am heutigen Sonntag ruft uns Gott, unsere Sicht, unser Leben, unsere Perspektive von ihm verändern zu lassen. In welcher Situation ich auch immer bin. Ich darf heute lernen von Gott, der sich über das schwarze Schaf freut. In welcher Situation ich auch immer bin, ich darf lernen von dem Vater, der seinen verlorenen Sohn annimmt. Wo immer ich stehe, darf ich lernen von der Frau, die sich über ihren wiedergefundenen Groschen freut.

Freude ist ansteckend. Menschliche und Göttliche Freude ist ansteckend. Wobei die Angst, das auch kann. Angst ist auch ansteckend. Im Zweifel wähle ich die Freude, im Zweifel lasse ich mich in die Arme der Freude fallen. Im Zweifel ist di

e Angst kein guter Berater. Sie kann schützen, aber nicht beraten.

So wenden wir unsere Augen zu ihm hin, wo Freude war, ist und sein wird! Das ist keine billige Schadenfreude. Das ist kein armseliges Kichern oder Kirchenlächeln. Das ist die Freude, die von innen aus der ewigen Quelle kommt, aus der Quelle des ewigen Seins, aus dem Geist der Neuzulassung zum Leben, aus der Liebe, die ihren Frieden gefunden hat, aus der Hoffnung die eine Ahnung vom ewigen Schauen hat, aus dem Glauben, der sich in Gottes Hand zeitlich und ewig geborgen weiß!

Wiedergefundene Freude bei Gott. Wiedergefundene Freude im Gegenüber, beim Nächsten, im DU meines verständlichen Dialogpartners, ja sogar in der Einsamkeit der Stille, die ihr Gegenüber kennt.

Wiedergefundene Freude in der Liebe, ja sogar im Leid des Vertrauenden.

Wiedergefundene Freude in der Krankheit, im Glauben.

a klein Ehrengäste

Wiedergefundene Freude? Jede und Jeder muss sie suchen. Jede und Jeder wird sich und sie finden. Gott hat uns nahegelegt, dass wir wieder glauben dürfen, er hat uns nahegelegt, dass wir lieben dürfen. Er hat uns nahegelegt, dass wie hoffen dürfen. Natürlich darf ich Angst haben. Aber ich habe gelernt mit ihr umgehen. So bedenke ich Gott neu, der sich auf die Suche macht; nach dem verlorenen Paradies, nach dem verlorenen Sinn, nach dem verlorenen Menschen, nach dem verlorenen Wert, nach dem Verlorenen schlechthin. Wenn Gott schon mit größtem Einsatz das Verlorene sucht, findet und ehrt, sollte ich mich nicht auch auf meine Socken machen? Sollte ich nicht mit ganzem Einsatz suchen, finden, ehren? Wenn der Vater seinen abhanden gekommenen Sohn in die Arme nimmt, sollte ich nicht meine Arme wieder öffnen für so machens mir abhanden gekommene? Erinnerung kann ich üben wie die Frau, die ihren Groschen vermisst. Sie geht auf die Suche. Was kommt mir in den Sinn was ich gern wieder hätte? Das es wert ist zu suchen!?

Ich erinnere das Gemeindefest. Das reale Fest der Gemeinschaft. Christen für Christen. Menschen für Menschen. Beim Wort Gottes und beim Würstchen! Beim Singen und trinken. Beim Singen von geistlichen und weltlichen Liedern!

Ich erlebe das Fest der Augen und Ohren, in der virtuellen Welt. Das virtuelle Fest der Augen und Ohren ohne Präsenz des ganzen Menschen. Das Zuschauerfest am Computer, auf dem Canapé des Sehenden und Hörenden. Oder im Bad, oder in der Küche, oder im Garten, oder im Auto? Oder?

Doch so verändert sich unsere Zeit. Die reale Gottesdienstwelt verändert sich und zeigt sich im virtuellen Raum. Im Fest der Augen und Ohren.

Ich sehne mich nach dem Fest wieder mit allen Sinnen. Augen, Ohren, Nasen, Fühlen; siebter Sinn? Nach dem Gottesdienst des ganzen Menschen.

Es wird nie mehr sein wie es war. Aber ich habe einen Traum nach dem bunten Fest der Liebe, nach dem bunten Fest des Glaubens und nach dem bunten Fest der Hoffnung. Von dem bunten Fest in der Zeit, und dann erst in der Ewigkeit!

Und der Friede Gottes der höher ist als unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. AMEN.

 

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