Ev. Melanchthongemeinde Griesheim
- Herzlich Willkommen

Für Hilfesuchende ist er eine wichtige Anlaufstelle: Der Ökumenische Helferkreis. Ein Interview mit vier ehrenamtlichen Helfern.

Wie kann die Kirche für eine Stadt da sein? Aus dieser Frage erwuchs die Idee des Ökumenischen Helferkreises. Seit nun mehr als fünf Jahren besteht er und vereint Mitglieder der evangelischen Melanchthongemeinde, der katholischen Pfarrei St. Marien, der evangelischen Freikirchlichen Gemeinde und der Christengemeinde. Das macht 40 ehrenamtliche Helfer, vier davon sind Lorenz Bischof (Melanchthon), Marion Leichtweis (Melanchthon), Roswitha Gail-Eller (St. Marien) und Barbara Wehrstein (Melanchthon).

Als Mitglied des Aufbau-Teams des Helferkreises, ist Marion Leichtweis schon von Beginn an dabei. Von den ersten Überlegungen einer Art Nachbarschaftshilfe innerhalb ihrer Gemeinde, bis hin zu dem heutigen großen Ökumenischen Helferkreis. „Ein schönes Zusammenrücken der Gemeinden“, findet Leichtweis. Der Helferkreis deckt viele verschiedene Aufgabenbereiche ab: Besuchsdienste, Familienunterstützung, handwerkliche Tätigkeiten, Kooperationen mit dem Arbeitskreis Asyl (Deutschunterricht, Paten, Sachspendendepot), Leseförderung an der GHS und der Kreativkreis.
Je nach den eigenen Fertigkeiten werden die Helfer in diesen Bereichen eingesetzt. Bei Marion Leichtweis seien das vor allem Besuchsdienste, Familienbetreuung und Einkäufe für Menschen, die das eben nicht mehr allein schaffen. „Ich möchte nicht nur Christ am Sonntag sein, sondern auch im Alltag meinen Gottesdienst tun. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst – Das ist mir wichtig“, sagt sie zu ihrer Motivation. Sie sei zwar berufstätig, doch durch die Möglichkeit des Homeoffice sei sie in der Lage ihre freiwillige Arbeit beim Helferkreis gut zu organisieren.

Auch Lorenz Bischof engagiert sich im Helferkreis seit mittlerweile vier Jahren. „Nach jahrzehntelangem Berufsleben habe ich dann in der Rente nach einer sinnvollen Tätigkeit gesucht“, sagt er. Über den Gemeindeboten habe er dann erstmals Kontakt mit dem Helferkreis aufgenommen. Zu seinen ersten Diensten zählten handwerkliche Tätigkeiten: Wackelnde Stuhlbeine mussten gerichtet, Gartentüren repariert und Regale montiert werden. Die Mitglieder, die er über den Helferkreis kennengelernt habe, seien ihm gleich sympathisch gewesen. „Wir sind zu einem richtigen Team zusammengewachsen“, erklärt Bischof. Denn gerade bei handwerklichen Tätigkeiten sei Teamarbeit sehr wichtig. Auch mit den Hilfesuchenden habe er bis jetzt keine Probleme gehabt. Mit der Zeit sei er auch weiteren Tätigkeiten nachgegangen. Lange besuchte er einen älteren Herren im Haus Kursana, der mittlerweile verstorben sei. Darüber hinaus leistet Bischof auch Fahrdienste oder kümmert sich um den Hund einer älteren Frau.

Eng verzahnt ist der Helferkreis mit dem Arbeitskreis Asyl. Roswitha Gail-Eller vertritt den Helferkreis dort. Ende 2015 sei sie dazugestoßen, als sie zu Beginn ihrer Rente nach einer Tätigkeit suchte, in der sie ihre Fähigkeiten einbringen konnte. Zu dieser Zeit habe sie Ulrike Gerards-Trump aus dem Helferkreis kennengelernt, durch die sie dann zur Kleiderkammer gekommen sei. Einem Sachspendenteam des Helferkreises, das Flüchtlinge mit Kleidung ausstattet. Als dann der städtische Asylkreis entstanden ist, wurde das Sachspendendepot in diesen Arbeitskreis Asyl integriert. Die Leitung des Sachspendendepots hat heute Gail-Eller. Nach wie vor unterstütze der Ökumenische Helferkreis den AK Asyl durch die Hilfe seiner Mitglieder. Wenn es die Zeit zulässt, mache Gail-Eller zusätzlich auch sporadische Einsätze für den Helferkreis, wie Hunde ausführen oder Fahrdienste.

Die individuellen Anfragen der Hilfesuchenden mit den 40 Helfern zu koordinieren, die alle eigene Fähigkeiten, Erfahrungen und auch Zeitpläne haben, ist Aufgabe von Barbara Wehrstein. Sie nimmt die Anfragen telefonisch oder per E-Mail entgegen und beauftragt dann die Helfer. Wie der erste Kontakt abläuft, ist dabei sehr fallspezifisch: „Wenn direkt klar ist, was der Anfrager möchte, dann wähle ich dementsprechend den Helfer aus. Wenn ich merke, dass die Kommunikation am Telefon nicht so einfach ist, dann besuche ich die Person und kläre den Bedarf vor Ort“, erklärt Wehrstein. „Generell versuche ich, zunächst möglichst viel zu klären. Wie ist der Gesundheitszustand? Wie ist das Alter? Wie ist die Mobilität? Kann die Person noch selbst gehen oder hat sie einen Rollator? Ist jemand frisch aus dem Krankenhaus entlassen? Ist kürzlich ein Angehöriger verstorben? Braucht derjenige jeden Tag jemanden oder nur einmal?“
Wichtig sei es keine Anfragen zu übernehmen, bei denen es professionelle, bezahlte Angebote gibt. Denn der Helferkreis arbeitet grundsätzlich kostenlos. So können keine Pflegeleistungen erbracht oder bestimme Aufträge bearbeiten werden, denen Haftungsvorschriften unterliegen. Dennoch sei der Helferkreis eine erste Anlaufstelle für ratlose und hilflose Menschen, in den verschiedensten Situationen, geworden. „Fast alle Anfragen können in irgendeiner Form bedient werden“, erklärt Wehrstein. Wenn auch nicht immer Helfer zum Einsatz kommen können.
Kompetente Hilfe.

Das Konzept des Helferkreises sehe vor, dass die Helfer auf ihre Aufgaben sehr gut vorbereitet werden. Das Einstiegstraining umfasse deshalb unter anderem ein Kommunikationstraining aber auch ein Resilienztraining. Hier gehe es darum, „wie kann ich die Dinge, die mir Kraft geben in mir selber stärken, aber auch wie kann ich die resilienten Eigenschaften von jemandem stärken, der ein schweres Schicksal erfahren hat“, sagt Wehrstein. Denn bei der Arbeit des Helferkreises gehe es nicht nur darum Spaß und Freude am Helfen zu haben. Manchmal werde die Belastung auch für die Helfer selbst zu schwer. Hier sei vor allem auch der Kontakt mit dem Team wichtig. Deshalb werden Austauschrunden angeboten, die von einer Psychologin begleitet werden. Gerade für neue Helfer sei dies wichtig, um auch von den Erfahrungen der anderen zu profitieren. Im Extremfall gebe es auch Einzel-Supervisionen, in denen die Helfer sich die Last von der Seele reden können.

Gegebenenfalls müsse auch die eigene Kompetenz geprüft und eine Entscheidung getroffen werden, ob ein Fall nicht doch eher von professionellen Einrichtungen, wie einem Hospiz, übernommen werden sollte. „Manchmal verzweifelt man an dem, was in der Welt passiert. Umso mehr ist dann auch das Bedürfnis da, mit seinen Mitmenschen entsprechend umzugehen. Das kleine bisschen, was man selbst tun kann, damit die Welt ein bisschen besser wird, ist dann eine ziemliche Motivation“, sagt Gail-Eller zur Belastung durch die freiwillige Arbeit.

Besonders stolz seien die ehrenamtlichen Helfer auf die aktive Kultur im Ökumenischen Helferkreis und dass sich so viele freiwillig engagieren würden. „Not hat viele Gesichter“, so Wehrstein und dass der Griesheimer Helferkreis in so vielen verschiedenen Bereichen aufgestellt sei, mache ihn zu etwas Besonderem. „Auch, dass der Helferkreis seit fünf Jahren besteht, ist nicht selbstverständlich“, erklärt Gail-Eller. Oftmals sei gerade bei freiwilligen Aktionen die Motivation am Anfang sehr hoch, würde aber auch schnell wieder nachlassen. „Auch wegen unserer Struktur, mit der Grundausbildung, den Supervisionen, den Austauschrunden und auch den guten Kontakten der Helfer untereinander, haben wir ein gutes tragfähiges Netzwerk, in dem die Helfer einen großen Rückhalt haben“, freut sich Wehrstein.


Bennett Rampelt

 

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok