Ev. Melanchthongemeinde Griesheim
- Herzlich Willkommen


 

„So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder der an ihn glaubt, nicht verloren geht.“ (Johannes 3, 16)

Vor einigen Wochen haben Pfr. Uhde und ich über den gestrigen und heutigen Gottesdienst gesprochen, alles ein wenig untereinander aufgeteilt und nun stehe ich heute hier vorne und darf zu euch predigen. Schnell stellt sich dann natürlich die Frage: Was predigen ich in solch einem Konfirmationsgottesdienst? Und ich habe ein wenig hin und her überlegt.

Wie schön, die Zeit miteinander war und wie toll ihr viele Dinge gefunden habt. Das haben die Feedbackzettel nämlich und großen und ganzen ergeben? Ein Blick zurück? Oder, dass mit der Konfirmation das Leben in der Gemeinde ja weitergeht? Das wir viele Angebote für Jugendliche haben, dass ihr immer willkommen seid? Ein Blick in die Zukunft? Ich habe eine Weile hin und her überlegt. Und weil heute hier nicht bloß 20 Konfirmandinnen und Konfirmanden sind, sondern auch ganz viele Eltern, Geschwister, ganze Familien und Freunde, ist mir aufgefallen, dass viele ja gar nicht wissen, um was es in unserem Konfi-Jahr ging. Während des Elternabends oder wenn Eltern vorbei kamen, zum Beispiel um beim Kochen zu Helfen während Konfi-Alpha, dann kommt da manchmal durch, dass in diesem Jugendalter nicht so sehr viel zuhause erzählt wird. Das ist ganz normal, aber neugierig sind die Familien ja doch: Um was geht es denn bei euch? Und so bin ich zum Entschluss gekommen, dass es eine gute Sache sein mag, wenn ich mit dieser Predigt unsere wichtigsten Dinge zusammenfasse. Also Stifte und Ohren gespitzt und aufgepasst! Hier kommt also die Zusammenfassung, wenn ihr irgendwo mit anderem beschäftigt ward, ist das die ultimative Chance, dass wichtigste noch einmal auf den Punkt gebracht zu bekommen.

Jetzt habe ich vielleicht etwas Angst gemacht, dass dies hier eine sehr große Überlänge bekommen könnte, das Restaurant oder der Party-Service vielleicht abbestellt werden muss bzw. deutlich nach hinten verlegt werden sollte. Nein, niemand braucht da große Angst zu haben: Ich werde heute über nur einen einzigen Vers der Bibel sprechen. Einen einzigen Satz, den wir in der Bibel nachlesen können und der alles wichtige zusammenfasst. Ich werde ihn aber jetzt in vier Punkte unterteilen. Und für jeden Punkt gibt es ein Symbol.

1. Herz

Und so beginnen wir mit einem Herz.

Wenn ein Herz als Symbol eingesetzt wird, dann geht es um Liebe. Für den heutigen Muttertag gibt es Herzen in Blumensträußen oder in Pralinenschachtelform zu kaufen. Die Botschaft lautet: Mama ich habe dich lieb. Eine verliebte Schülerin sitzt am Schreibtisch und malt ihr ganzes Heft mit roten Herzen voll. Sie kann nur noch an diesen einen Jungen denken. Sie liebt diesen Menschen. Manche tragen T-Shirts, darauf gedruckt I love New York oder London oder Griesheim. Statt „Love“ steht dort aber ein Herz.

Liebe, bedeutet, dass mir eine Person oder eine Sache – für die ich Liebe empfinde ganz besonders wertvoll ist. Dieses Gegenüber ist für mich von aller größten Bedeutung. Ich schätze es. Liebe ist Zuneigung und Zuwendung. Ich wende mich dem zu, das ich liebe. Wen ich liebe, den kann ich nicht vergessen und den kann ich nicht links liegen lassen. Wen ich liebe, der bedeutet mir etwas und für den werde ich mich einsetzen. Wen ich liebe, mit dem meine ich es gut und ich tue alles dafür, dass ihm nichts Böses geschieht.

Von Gott heißt es, dass er die Welt liebt. So steht es in dem Vers, von dem ich hier heute predige. „So sehr hat Gott die Welt geliebt“ beginnt dieser Vers.

Das Herz steht also für: Gott liebt mich. Gott liebt dich und mich, jeden Menschen dieser Welt und die Welt als ganzen. Und da bei Gott immer alles vollkommen und noch mal eine Nummer größer und stärker ist, als wir uns das überhaupt vorstellen können, ist auch Gottes Liebe vollkommen.

2. Das X

Lasst uns aber auch einmal darauf schauen, wenn er da liebt. Gott liebt die Welt? Und wie ist die Welt? Dieses Symbol habe ich für die Welt mitgebracht. Ein Gefahrensymbol, das für gesundheitsschädlich oder reizend steht. Erinnern wir uns doch noch einmal zurück an Beichtgottesdienst gestern Abend. Fischen verboten! Aber wir wissen, da im Feuer ist so manches reizendes, gesundheitsschädliches, Dinge die uns nicht gut tun, aufgegangen. Wir kennen diese Dinge doch alle aus unserem Leben, die uns, unseren Mitmenschen, unserem Umfeld nicht gut tun: Wie leicht fällt es uns doch, über andere Menschen schlecht zu denken oder schlecht zu reden? Wie oft schauen wir weg, wenn andere Probleme haben und in Not sind und wir helfen ihnen nicht? Wie oft streiten wir? Beharren auf unser Recht und haben nur unseren eigenen Vorteil im Blick? Das ist zerstörerisch, das reizt, das macht uns, unsere Umfeld und unsere Mitmenschen kaputt.

Wir müssen doch gar nicht in die weite Welt schauen, wo Krieg und Not herrscht. Ungerechtigkeit und Leid gibt es doch in unserem Leben genügend. Wir alle – ich nehme mich da nicht aus, auch wenn ich Gemeindepädagogin bin und hier sogar predige und Gottesdienst halte – wir alle leben doch nicht als die gerechten und liebevollen Menschen, wie es Gottes Willen entsprechen täte. Immer und immer wieder verfehlen wir Gottes Maßstab. Manch einer bemüht sich mehr, ein anderer weniger, aber scheitern tun wir alle, wenn wir uns ganz ehrlich im Licht Gottes betrachten. Die Bibel nennt dieses Scheitern, diese Zielverfehlung gegenüber Gottes Willen Sünde. Und wir alle haben gesündigt.

Daher steht dieses X für: Ich habe gesündigt.

Mit Sünde und Gott gibt es ein ganz großes Problem, denn: Sünde und Gott passen nicht zusammen. Weil Gott heilig ist, ist bei ihm kein Platz für Sünde. Sünde und Gott sind einfach nicht unter einen Hut zu bekommen. Und daher trennt Sünde mich immer von Gott.

3. Das Kreuz

Weil Gott diese Trennung aber nicht gefällt – er liebt uns ja – hat er eine Lösung geschaffen, wie wir doch wieder mit ihm Gemeinschaft haben können. Wie wir also doch wieder in seine Nähe kommen können. Dazu lese ich unseren Vers weiter: „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder der an ihn glaubt, nicht verloren geht.“

Jetzt kommt die Sache mit dem Kreuz. Gott hat seinen Sohn Jesus Christus als Menschen auf diese Welt kommen lassen. Jesus hatte alles – bis auf eine einzige Sache – mit uns Menschen gemeinsam. Diese eine Sache, die er nicht mit uns gemeinsam hat ist: Er hatte kein bisschen von dem X in seinem Leben. Er ist Gottes Sohn und lebte ohne zu sündigen auf dieser Welt. Und als Mensch ganz ohne Sünde, starb er aber am Kreuz. Und deshalb – und auch nur deshalb gibt es für uns nun die Chance wieder mit Gott vereint zu sein. Jesu Blut macht uns frei, frei von dem X, frei von dem, was uns von Gott trennt, frei von Sünde.

Wir hatten den folgenden Vers einmal im Konfirmandenunterricht besprochen:

Denn der Lohnder Sünde ist der Tod, die Gnadengabe Gottes aber ewiges Leben in Christus Jesus, unserem Herrn (Röm 6, 23)

Sünde bringt Tod, ewigen Tod. Der Glaube an Gott und die Erlösungstat Jesu bringt ewiges Leben.

So sagt es auch unser heutiger Predigtvers, ich vervollständige ihn jetzt ganz:

So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. (Joh 3, 16)

Liebe Gemeinde, es gibt ein verloren sein in Sünde, in Schuld und ein ewiges Getrenntsein von Gott. Aber diesen Weg müssen wir nicht einschlagen. Denn es gibt auch Vergebung und Erlösung. Gott schenkt sie uns. Wir können sie uns nicht erwirtschaften und verdienen. Wir können sie nur annehmen, uns beschenken lassen. Das heißt Gnade: Unverdient etwas zu bekommen. Gottes Gnade ist, dass er unsere Schuld, unser Scheitern, unsere Fehler sieht, aber den Preis dafür selbst bezahlt. Den Tod, das ewige Verlorensein nimmt Jesus am Kreuz auf sich.

4. Das Fragezeichen

Doch jetzt kommen wir zu unserem entscheidenden letzten Punkt, dem Fragezeichen.

Wir haben bisher gehört und wissen jetzt:

    Gott liebt mich – das Herz
    Ich habe gesündigt – und das passt nicht mit Gott zusammen, das X
    Jesus starb für mich – um meine Sünde von mir weg zu nehmen und so den Weg zu Gott wieder frei zu machen, das Kreuz

Bleibt also 4.: Glaube ich daran? Vertraue ich Gott? Will ich mit Jesus leben?

Wenn euch gleich die Frage zur Konfirmation gestellt wird, dann ist dies genau diese Frage: Willst du glauben? Willst du mit Jesus leben? Und diese Frage wir uns allen gestellt, sie gilt nicht bloß unseren heutigen Konfirmandinnen und Konfirmanden. Wir alle sind gefragt: Wollen wir glauben und mit Jesus leben? Mancher mag diese Frage auch bereits beantwortet haben, bei der eigenen Konfirmation oder bei einer anderen Gelegenheit. Auch mancher von euch Konfirmanden hat bereits begonnen mit Jesus zu leben. Dann ist dies heute die Möglichkeit dies zu bestätigen, zu erneuern und zu sagen: Ja, ich lebe mit Jesus. Ich glaube an Gott.

Ich möchte euch auch erzählen, wie das bei mir war. Als Kind glaubte ich an einen Gott, der Ähnlichkeit mit einem alten Mann, auf einer Wolke und langem Bart hatte. Irgendwie wie eine Märchenfigur. Die Geschichten der Bibel fand ich spannend und hörte sie gerne. Gott war irgendwie da, und das war gut. Dann wurde ich Jugendliche und ich hinterfragte die Realität dieses Gottes. Gibt es Gott wirklich ist die Bibel war? Ich ging in den Konfi-Unterricht. Ich wollte da auch eine Antwort finden, war aber irgendwie nicht so. Und als ich etwa 16, 17 Jahre alt war, da war ich mir ganz sicher: Die Sache mit Gott ist ein Märchen, eine von Menschen ausgedachte Geschichte. Mit so etwas wollte ich nichts zu tun haben.

Doch dann gab es immer wieder Dinge, die um mich herum geschahen, die doch irgendwie manchmal die Frage neu aufkommen ließ: Gibt es da vielleicht doch einen Gott? Ich hatte viele Gespräch und Diskussionen, die in Gemeinden ging und ihren Glauben lebten. Und irgendwie merkte ich: Meine Meinung, dass Gott nur erfunden ist, begann zu wanken. Und dann hatte ich ein Gespräch mit unserem Schulpfarrer. Und auch mit ihm hatte ich zuvor schon einige Mal über die Sache mit Gott gesprochen und er hatte beobachtet, wie ich auf der Suche nach einer Antwort war. In diesem Gespräch fragte er mich: „Steffi, bist du eigentlich Christ?“ Und ich antwortet: „Nun ja, ich bin getauft und konfirmiert bin ich auch.“ Und ich wusste in diesem Moment aber auch, dass zum Christsein doch irgendwie mehr gehörte und ich sagte weiter „… aber irgendwie hat Jesus mit meinem Leben nichts zu tun…“ und er sagte: „Wenn du mit Jesus leben möchtest, dann sag ihm das in einem Gebet.“ Und wir beteten anschließend miteinander und ich sagte zu Gott: Ich möchte an dich glauben und mit dir leben. Für das, was in diesem Moment in mir geschah habe ich bis heute kein passendes Wort. Aber es war das beste, dass mir jemals in meinem Leben geschehen ist. Seit diesem Tag weiß ich mit Kopf und Herz: Gott ist da, er ist mit mir. Gott der Vater liebt mich. Jesus Christus starb für meine Sünde und der Heilige Geist wohnt in mir.

Jedem von euch wünsche ich, dies auch glauben zu können und ein Ja auf Gottes Frage an Dich zu finden. Willst du glauben? Willst du mit Jesus leben?

Der Friede Gottes, welcher hoher ist als alle Vernunft bewahre eure Herzen und euren Sinn in Christus Jesus.

Ihre Gemeindepädagogin Steffi Schafhirt