Ev. Melanchthongemeinde Griesheim
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Vergangene Woche haben wir von Simon Petrus in der Predigt gehört. Wie er am See Genezareth Fischer war, wie er mit Jesus auf den See raus fährt und wie Jesus zu ihm sagt: „Petrus, von jetzt an wirst du ein Menschenfischer sein.“ (Lk 5, 10)

Seit diesem Tag sind nun rund 30 Jahre vergangen. Petrus hat einiges mit Jesus erlebt, ein Jünger, der irgendwie immer vorne mitgemischt hat. Aber auch ein Jünger, der ganz große Tiefschläge erlebt hat. Petrus ist tatsächlich ein Menschenfischer geworden – einer der die Menschen für Jesus gewinnt. Und nun ist er wahrscheinlich in Rom und schreibt an Christen, die in der Zerstreuung leben, einen Brief bzw. später noch einen zweiten. Aus diesem ersten Petrusbrief lese ich unseren heutigen Predigttext.

Zu ihm kommt als zu dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen ist, aber bei Gott auserwählt und kostbar. Und auch ihr als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Hause und zur heiligen Priesterschaft, zu opfern geistliche Opfer, die Gott wohlgefällig sind durch Jesus Christus. Darum steht in der Schrift (Jesaja 28,16): »Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten, kostbaren Eckstein; und wer an ihn glaubt, der soll nicht zuschanden werden.« Für euch nun, die ihr glaubt, ist er kostbar; für die Ungläubigen aber ist »der Stein, den die Bauleute verworfen haben und der zum Eckstein geworden ist, ein Stein des Anstoßes und ein Fels des Ärgernisses« (Psalm 118,22; Jesaja 8,14); sie stoßen sich an ihm, weil sie nicht an das Wort glauben, wozu sie auch bestimmt sind. Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht; die ihr einst »nicht ein Volk« wart, nun aber »Gottes Volk« seid, und einst nicht in Gnaden wart, nun aber in Gnaden seid (Hosea 2,25). (1. Petr. 2, 4-10)

Petrus: Ein Fischer, der vom Bauwesen schreibt – Sachen gibt’s! Nein Petrus hat nicht sein Handwerk gewechselt. Petrus ahmt hier etwas nach. Er hat sich bei Jesus da etwas abgeschaut: Petrus spricht in Bildern, er arbeitet mit Vergleichen. Und gemeinsam mit Ihnen möchte ich heute Morgen diesem Bild von Steinen, Ecksteinen und Bauleuten ein bisschen mehr auf die Spur kommen.

„Der lebendige Stein – der Eckstein“

Der Eckstein als Bild hat bereits seinen Platz im Alten Testament. Ein Stein oder Fels hat in der Regel die Eigenschaften: hart, fest und kräftig. Einen Stein verbinden wir weniger mit Lebendigkeit, Wärme und Freundlichkeit. Ein steinernes Herz ist ein hartes Herz – das wünschen wir uns eigentlich nicht. Aber als Eckstein bekommt der Stein eine tragende und wichtige Funktion. Dieser Stein sorgt für die Ausrichtung des Gebäudes, die Architektur und die Maurer – sie orientieren sich am Eckstein, um das Gebäude zu errichten. Der Eckstein gibt dem Gebäude Stabilität. Auf ihn wird aufgebaut, er trägt. Fehlt er oder geht er zu Bruch, besteht die Gefahr, dass das gesamte Gebäude zum Einstürzen kommt.

Und so finden wir bereits im Alten Testament bei Jesaja und in den Psalmen Stellen, an den das Bild vom Eckstein verwendet wird. So schreibt Jesaja (28, 16): „Gott der HERR [spricht]: Siehe, ich lege in Zion einen Grundstein, einen bewährten Stein, einen kostbaren Eckstein, der fest gegründet ist.“ Wer diese Stelle im Zusammenhang liest, erfährt, dass der von Gott gelegte Grundstein – von dem hier die Rede ist – einem Bundes, welches die Israelischen Führer mit Gegner Gottes entgegen steht. Gott dagegen legt in Zion – in Jerusalem - einen erwählten, wertvollen Grundstein, auf den die Glaubenden sich verlassen können, dieser Eckstein Gottes trägt. Ähnlich ist in Ps 118,22 von einem Eckstein im Kontext einer scharfen Auseinandersetzung Gottes mit einer gegnerischen Partei die Rede. Der Psalmbeter betont dort, dass ihm etwas oder jemand - der in den Augen der Bauleute unbrauchbar und verworfen war - durch Gott Errettung zur unerschütterlichen Grundlage neuen Heils und neuer Freude wurde.

„Der Eckstein, der Grundstein – dies ist der tragende Stein.“

Wer ist in meinem Lebenshaus der Eckstein? Was oder wer ist mir so wichtig und bedeutsam, dass ich mein Leben darauf aufbaue? Dass ich alles in meinem Leben darauf ausrichte?

Die Autoren der Bibel schlagen uns vor: Das Jesus doch dieser Eckstein unsere Lebens sein soll. Hören wir dazu noch einen weiteren Text, dieses Mal von Paulus, aus seinem Brief an die Epheser (Eph 2, 18-22): Denn durch ihn – das ist Jesus - haben wir alle (…) in "einem" Geist den Zugang zum Vater. So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen, erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist, auf welchem der ganze Bau ineinander gefügt wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn. Durch ihn werdet auch ihr mit erbaut zu einer Wohnung Gottes im Geist.

Jesus Christus der Eckstein jedes christlichen Lebens. Anders geht Christsein nicht. Glaube ohne die Orientierung an Jesus, Glaube ohne die Ausrichtung auf Jesus – das mag Religion, fromme Lebenspraxis aber nicht lebendiges christliches Leben sein! Die aufmerksamen Zuhörer haben auch bereits mitbekommen: Mit diesem Eckstein scheint es auch Unstimmigkeiten zu geben, über diesen Stein gibt es unterschiedlicher Meinung, über ihn wird gestritten und diskutiert.

„Der Stein, den die Bauleute verwarfen – dies der abgelehnte Stein“

Ich wiederhole noch einmal Stellen aus unserem Text

    „der Stein, den die Bauleute verworfen haben“
    „Stein des Anstoßes“
    „Fels des Ärgernisses“
    Dieser „Stein, der von den Menschen verworfen ist“

Ich frage dich: Bist du bereit auf solch einen Eckstein dein Leben aufzubauen?

Was Jesus von uns fordert, das ist nicht immer populär. Wenn ich wirklich anfange Jesus nach zu folgen, ihm gehorche und seinen Wille tue, dann werde ich mir nicht nur Freunde machen. Dann werden nicht alle Leute mir auf die Schulter klopfen und sagen: Prima, was du da machst. Sondern es wird Gegenwind geben. Es wird Menschen geben, für die du unbequem bist, denen dein Leben ein Anstoß und ein Ärgernis ist. Gott tickt einfach anders als unsere Welt. Denn Gott erwählt das Verstoßene, das Verachtete, das Zurückgelassene. Gott setzt auf das und den, der nach irdischen, menschlichen Ansichten es nicht wert erscheint. Gott ist da so konträre, so gegensätzlich zu unseren Erwartungen und Maßstäben! Mit welchen Menschen hat Jesus sich umgeben: Mit Huren, Betrügern und Kranken. Sind das die Menschen, die wir besuchen und denen wir uns gerne zuwenden? Ein schönes Gespräch wollten die Erwachsenen mit Jesus führen, einen Austausch über dies und das, aber Jesus sagt: Lasst die Kinder zu mir kommen. Eine Ehebrecherin wollten sie steinigen, Jesus wird dieses Urteil doch wohl unterstützen, nein er lässt sie laufen.

Solch ein Verhalten, dass passt denen, die das Gesellschaftssystem am Laufen halten -weil sie nämlich selbst am meisten davon profitieren- nicht! Das wird zum Ärgernis, zum Anstoß. Stellt euch doch einmal vor, dass Sanftmütige, Leidtragende, nach Gerechtigkeit Strebende, Barmherzige, Friedfertige und die um Gottes Namen Verfolgten diese Welt regieren würden – dann hätten wir einen ziemlich großen Umbruch. Und genau jene, die momentan das Geschehen bestimmen, die die nach Macht, Reichtum, großem Einfluss streben – sie hätten nichts mehr zu melden! Ist doch klar, dass das nicht mit offenen Armen aufgenommen wird. Aber wir müssen dabei nicht nur auf die große politische Weltkarte schauen. Ein Blick in unser eignes kleines Umfeld reicht doch da schon – oder wir schauen einmal auf unsere Kirchengemeinde: Was ist uns wichtig in unserer Gemeinde?

Wie viel Wert legen wir darauf, dass ein Gottesdienst ein Fest mit Gott, zu Seiner Ehre ist oder sind uns Form, Abläufe, eingeübte Rituale besonders wichtig – eine spannende Frage, die uns in der Arbeitsgruppe „Generationsübergreifender Gottesdienst“ gerade beschäftigt. Was ist uns bei Veranstaltungen wichtig: Das Menschen Gott begegnen oder dass ein hübsches Foto in der Presse erscheint. Wie rede ich von meinem Glauben: So, dass ich Gottes Wort in Klarheit ohne Weichspüler verkündige oder so, dass ich möglichst viele Freunde gewinne und niemanden irgendwie zu nahe trete?

Jesus hat die religiöse Welt seiner Zeit durch sein Verhalten und seine Verkündigung provoziert und herausgefordert. Und wenn wir Jesus als unseren Lebenseckstein und unser Vorbild haben, dann werden wir nicht drum herum kommen, dass unser Verhalten und unser Glaubenszeugnis für Menschen dieser Welt provozierend und herausfordernd ist. Ein aufrichtiges und authentisches Christenleben erfährt Gegenwind. Jesus Christus wird abgelehnt, wir wissen: Er wird so arg abgelehnt, dass er am Kreuz hingerichtet wird. Hören wir dazu noch auf Verse aus Johannes 1, 11 u. 12 „Er – Jesus - kam in sein Eigentum – in diese Welt - ; und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben“. Jesus kam in diese Welt und wurde nicht akzeptiert, er wurde abgelehnt. Aber die Menschen, die sich auf ihn eingelassen haben bzw. die sich heute auf ihn einlassen, die gehören nun zur göttlichen Familie.

„Die lebendigen Steine – das sind wir“

Wer Jesus Christus in sein Leben aufnimmt, wer ihn zu seinem Eckstein macht, in dessen Lebenshaus zieht Jesus persönlich ein. Paulus bringt es auf den Punkt „Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir.“ (Gal. 2, 20) Christus und ich werden im Glauben zu einer Einheit, der Heilige Geist wohnt in mir und prägt mich. Und so werde ich Jesus Christus – hoffentlich - immer ähnlicher. Daher sind wir die „lebendigen Steine“ von denen in unserem Text gesprochen wird. Wir sind nicht irgendwelche Steine, die da an den Eckstein anschließen, nein wird haben etwas von diesem Eckstein, von Gott, dass uns lebendig macht. Weil Christus lebt, kann er als „lebendiger Stein“ bezeichnet werden; und weil wir Christen mit ihm und durch ihn leben, können wir ebenfalls als „lebendige Steine“ angesprochen werden.

Lasst uns jetzt noch einen Blick darauf werfen, was Petrus über diese „lebendigen Steine“ zu sagen hat: „ihr als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Hause und zur heiligen Priesterschaft, zu opfern geistliche Opfer, die Gott wohlgefällig sind durch Jesus Christus.“

1. Das Geistliche Haus

Was ist ein geistliches Haus? Wer hat Ideen? Eine Kirche? Eine Synagoge? Die Stiftshütte? Der Tempel in Jerusalem?

Alles ein Stückweit richtig: In einem geistlichen Haus, da wohnt Gott. Im alttestamentarischen Verständnis ist dies gewiss die Stiftshütte bzw. später der Jerusalemer Tempel. Hier wohnt Gott, hier ist er gegenwärtig, dort hat er Kontakt zur Erde. Wie sieht das heute aus? Wo ist Gott heute zuhause und gegenwärtig?

Dies soll unser persönliches Leben und die christliche Gemeinde sein. Gehen wir noch einmal zu Epheser 2 (Vers 20-22): „Erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten – mit Jesus Christus als Eckstein – auf den „der ganze Bau ineinander gefügt wächst zu einem heiligen Tempel im Herren. (und) durch ihn werden auch wir mit erbaut zu einer Wohnung Gottes im Geist

Wer Jesus Christus als Eckstein hat und sich einfügen lässt in Seinen Bau, der wird selbst zur Wohnung, ja zum Tempel Gottes. So auch 2. Kor. 2, 16: „Wir aber sind der Tempel des lebendigen Gottes“Und Hebr. 3, 6: „Sein Haus sind wir, wenn wir das Vertrauen und den Ruhm der Hoffnung festhalten.“

Ist uns das immer so klar und bewusst? Stellen wir uns einmal vor, wie wir in einem Urlaub vor mächtigen und imposanten Bauwerken, Glanzleistungen der Architektur, reicht ausgeschmückt und sorgsam gepflegt stehen, staunen und Fotos machen. So wie wir diese „Tempel der Welt“ bestaunen, so bestaunt uns Gott. Und er sagt sogar: Bei dir möchte ich wohnen. Dein Leben soll nicht länger eine Bruchbude sein. Dein Leben muss auch kein langweiliges Reihenhaus sein. Dein Leben soll ein Tempel sein, ein Tempel Gottes, in dem ER wohnt. Gott ist uns nicht bloß Vorbild und Herr über unser Leben, nein er zieht bei uns ein, er ist unser Mitbewohner, wir sind seine Hausgenossen.

Gott ist einer der uns ganz nahe sein möchte. Und er ist in unserem Lebenshaus wenn dir Feste feiern und es uns gut geht und er ist ebenso in unserem Haus wenn wir ärgerlich, wütend oder traurig sind. Unser Lebenshaus wird mit Gott zum Tempel. Erinnert euch daran, freut euch daran und geht ehrfürchtig mit eurem Lebenstempel sowie dem Lebenstempel anderer um.

Dann ist da noch die Rede von

2. Die Heilige Priesterschaft

Wir sind eine heilige, königliche Priesterschaft. Was ist das? Was bedeutet das?

Dies meint, dass jeder Gläubige Priester ist. Jeder Gläubige hat direkten Zugang zu Gott und braucht keinen Mittler. Das Stichwort „Allgemeines Priestertum aller Gläubigen“ bzw. „Getaufter“ geht auf Martin Luther und die Reformation zurück. Es hat exakt in diesen Versen seine Verwurzelung. Doch was ist damit gemeint? Sollen katholische und orthodoxe Priester sowie ihre evangelischen Pfarrkollegen und auch Pfarrkolleginnen abgeschafft werden. Nein, dies ist nicht das Ansinnen Luthers. Es gibt einzelne Menschen, die zu einem kirchlichen Amt berufen sind. Sie müssen sich entsprechend ausbilden lassen, meist also Theologie studieren und bekommen dann den Auftrag die Amtshandlungen ihrer Gemeinde durchzuführen und zu verwalten. Sie sind mit den Aufgaben von Verkündigung und Seelsorge betraut. Aber sie stehen vor Gott nicht anders als jeder andere Christ auch. Jeder andere Christ kann ebenso – durch den Heiligen Geist – zu Gott reden und auf ihn hören. Jeder andere Gläubige kann ebenso die Heilige Schrift lesen, studieren und Gottes Rede darin entdecken. Jeder Christ darf selbständig Gott seine Schuld bekennen und Ihn um Vergebung bitten – dafür braucht es keinen „Oberchristen“ keinen Priester. Und durch Jesus Christus darf jeder von uns sogar seiner Schwester und seinem Bruder im Herren Vergebung zusprechen. Dies ist kein Privileg einzelner mehr! Jesus Christus ist der letzte Hohepriester und weil wir durch den Glauben Anteil an Jesus Christus haben, sind wir selbst zu Priesterinnen und Priester erhöht. Doch wie gehen wir damit um? Haben wir dieses Amt in unserem Leben überhaupt schon realisiert und angenommen?

Von niemanden wird verlangt, dass er oder sie unbedingt eine 20minütige Predigt hält. Niemand muss alles der Heiligen Schrift auslegen und erklären können. Aber kann ich meinem Nachbarn weitersagen, wer Jesus ist und warum ich an ihn Glaube? Auch finde ich immer den ersten Teil im Gottesdienst ganz spannend. Fester liturgischer Bestandteil unseres Gottesdienstes ist das Sündenbekenntnis. Heute habe ich das gesprochen, sonst der- oder diejenige, der den Gottesdienst hält. Gehst du gedanklich, persönlich da mit? Bekennst du Schuld? Machst du dir klar, was dich von Gott trennt? Oder sind es nur Sätze – hoffentlich sprachlich schön formuliert – die da halt gesprochen werden? Wenn du hier nur mich sprechen lässt, dann bist du noch in der Zeit vor Jesus! Da wurde der Priester zu Gott – also in den Tempel – geschickt und hat für das ganze Volk gebeichtet. Dafür wurde ein Tier geschlachtet und auf dem Altar des Allerheiligsten verbrannt. Alles unter Ausschluss der Öffentlichkeit – damit hatte niemand der Gläubigen etwas zu tun. Denn sie durften Gott nicht so nahe kommen! Aber heute ist das anders: Es ist nicht mehr die Aufgabe allein eines Priesters Schuld zu bekennen und um Vergebung zu bitte, sondern die Aufgabe eines jeden Einzelnen. Ebenso mit der Zusprache der Vergebung! Wir sind nicht mehr davon abhängig, dass ein Priester ein Opfer darbringt oder einen Sündenbock in die Wüste schickt. Als evangelische Christen sind wir auch nicht von der Absolution – dem Freispruch – einer geweihten Person abhängig. Nein wir dürfen wissen und praktizieren „Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.“ (1. Joh. 1, 9) Es liegt also an uns und nicht mehr an einem Priester. Auch wenn es gut ist Vergebung und Gnade zugesprochen zu bekommen, weil es einem dann ein bisschen einfacher fallen mag, daran zu glauben, drauf zu vertrauen. Aber: Es liegt nicht bei geweihten oder ordinierten Personen allein. Diese haben das zwar also besondere Berufung, als ihren Dienst, jeder gläubige Christ kann und darf Vergebung in Jesu Namen einer Schwester oder einem Bruder zusagen.

Bleibt noch ein weiterer Punkt offen und die Frage, was es damit auf sich hat

3. Das geistliche Opfer

Eben ist das Opfer ja bereits angesprochen worden. Vor Jesus wurden im Tempel und an deren Heiligtümer Opfer für Gott dargebracht. Damit wurde Gott geehrt und es wurde um Vergebung gebeten. Diese Opfer haben durch Jesus Christus und seinen Tot am Kreuz ein Ende genommen. Jesus Christus selbst hat sich als Opfer für alle unsere Schuld hergegeben. Doch was sind nun „geistliche Opfer“, die wir darbringen sollen?

Gemeint sind keine materiellen Dinge mehr, sondern die persönliche Lebenshingabe. So schreibt Paulus an die Christen in Rom: „Ich ermahne euch nun, liebe Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr eure Leiber hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst.“ (Röm 12,1) Gott opfern, das heißt ihm dienen mit unserem ganzen Leben. Opfern, das heißt auch etwas zu geben, das uns nicht unbedingt leicht fällt. Wir alle kennen doch die Situationen, in denen wir eigentlich wissen, was Gott sich von uns wünscht und was richtig und gerecht wäre. Aber irgendwelche inneren Dinge halten uns davon ab es zu tun: Weil es dann anstrengend und unbequem wird, weil man vielleicht an Ansehen verliert, weil das unpopulär ist, weil es nicht zum Ausbau eigner Vorzüge führt usw. usw. – aber genau dann, doch Gottes Willen zu tun, dann IHM gegenüber gehorsam zu sein: das ist ein geistliches Opfer. Dinge tun, um Jesus Willen und nicht um unseren Willen, das heißt ein geistliches Opfer darbringen und dies kostet uns durchaus auch etwas. Nicht unbedingt finanziell, aber wir als Person treten zurück und Jesus tritt vor. Wir werden klein aber Jesus wird groß.

Ein geistliches Haus sein, die heilige Priesterschaft ausüben und geistliche Opfer darbringen, dies alles kann nur durch den Heiligen Geist geschehen. Nur er kann in uns bewirken, dass wir zum Wohlgefallen Gottes und im Sinne Jesus Christus leben. Seid dazu bereit und öffnet euch für das Wirken des Heiligen Geistes in eurem Leben, er möge euch Kraft, Ausdauer und Mut zu einem christusorientierten Leben geben!

Der Friede Gottes, welcher hoher ist als alle Vernunft bewahre eure Herzen und euren Sinn in Christus Jesus.

Ihre Gemeindepädagogin Steffi Schafhirt