Ev. Melanchthongemeinde Griesheim
- Herzlich Willkommen


 
"Lebensretter" - da kommen uns verschiedene Dinge gleich in den Sinn, was es heißt leben zu retten.
 
Ja, manchmal ist man darauf angewiesen, dass ein anderer Hilfe leistet, bspw. bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand und dann bitte aber richtig – und nicht wie Mr. Bean. (Youtube: Mr. Bean Heart Attack & First Aid) Aber ist es ja auch so, dass wir einiges tun, um unser Leben zu erhalten: gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung, kein Tabak und kein Alkohol oder nur in geringem Maß. Irgendwann kommt die Anti-Falten-Creme dazu oder gar ein chirurgischer Eingriff. Der Markt bombt, jedermann und jederfrau will doch fit, jung und attraktiv sein. Vielleicht hat einige von euch Konfi diese Welle aber noch nicht erreicht. Hier heißt eigenes Leben erhalten, vielmehr noch eigenes Leben aufbauen: unabhängig von den Eltern werden, sich nichts mehr vorschreiben lasse zu müssen, unabhängig von der Schule sein, endlich eigene Berufswege zu gehen, sich mit den Dingen, die einen wirklich interessieren oder zu den eigenen Zielen führen, beschäftigen. Für den einen mag das heißen: Nie mehr Mathematik aber viele fremde Sprachen sprechen und um die Welt reisen. Ein anderer mag sagen: Nie wieder Englisch und Französisch – nur noch Informatik und Computer programmieren – oder was auch immer. Den eigenen Führerschein haben, ja am liebsten noch dazu das eigene Auto und die Freiheit in allen Zügen ausleben. Sind da nicht manche Wünsche angesprochen, die für euch bedeuten: Das ist Leben. Das ist mein Leben, wie ich es leben will.
 
Lebendigkeit, dass ist es was uns Menschen ausmacht. Das steckt in uns und danach strecken wir uns aus. Alles, was diese Lebendigkeit verhindert, einschränkt, blockiert, dass wollen wir nicht. Das versuchen wir zu verhindern, auszumerzen oder zu umgehen. Krankheit oder gar der Tot, das ist die Gegenseite des Lebens. Und dazu hören wir nun eine Geschichte aus der Bibel.
 
Johannes 11, 1-45 (gekürzt)


Lazarus Mein Name ist Lazarus. Ich wohne in Betanien und war schwer erkrankt
Martha Ich bin Martha. Ich bin seine Schwester und wohne im selben Dorf.
Maria Ich bin Maria. Auch ich bin seine Schwester und wohne im selben Dorf. Ich war es, die mit kostbarem Salböl die Füße des Herrn Jesus übergossen hat und sie mit meinem Haar trocknete.
Martha Weil unser Bruder Lazarus so krank ist, haben wir Jesus mitgeteilt …
Maria „Herr, dein Freund Lazarus ist schwer erkrankt.“
Jesus

Ich bin Jesus. Als ich die Nachricht von Maria, Martha und ihrem Bruder Lazarus hörte, da sagte ich "Diese Krankheit führt letztlich nicht zum Tod, sondern durch sie soll die Macht Gottes sichtbar werden, und auch der Sohn Gottes wird dadurch geehrt." Ich habe Marta, ihre Schwester Maria und Lazarus sehr lieb. Aber ich warte noch zwei Tage. Und nach zwei Tagen sagte ich zu meinen Jüngern: „Kommt, wir wollen wieder nach Judäa gehen. Unser Freund Lazarus ist eingeschlafen, aber ich will hingehen und ihn aufwecken!“

Jünger Ich bin einer der zwölf Jünger Jesus. Wir erwidern gemeinsam Jesus: „Wenn er schläft, wird er bald wieder gesund sein.“ Denn wir glaubten, Jesus spräche von einem gewöhnlichen Schlaf, aber er redete vom Tod des Lazarus.
Jesus Deshalb sagte ich ihnen offen: „Lazarus ist tot! Doch euretwegen bin ich froh, dass ich nicht bei ihm gewesen bin. Denn nun könnt ihr lernen, was Glauben heißt. Wir wollen jetzt gemeinsam zu ihm gehen!“
Jünger Es vergingen weitere zwei Tage. So lag Lazarus schon vier Tage im Grab, als wir in Betanien ankamen. Inzwischen waren viele Juden zu Maria und Marta gekommen, um die beiden zu trösten. Als Marta hörte, dass Jesus auf dem Weg zu ihnen war, lief sie ihm entgegen. Maria aber blieb zu Hause.
Martha Herr, wärst du hier gewesen, würde mein Bruder noch leben. Aber auch jetzt weiß ich, dass Gott dir alles geben wird, worum du ihn bittest.
Jesus Dein Bruder wird auferstehen!
Martha Ja, ich weiß am letzten Tag, am Tag der Auferstehung.
Jesus Ich bin die Auferstehung, und ich bin das Leben. Wer mir vertraut, der wird leben, selbst wenn er stirbt. Und wer lebt und mir vertraut, wird niemals sterben. Glaubst du das?
Martha Ja, Herr, Ich glaube, dass du Christus bist, der Sohn Gottes, auf den wir so lange gewartet haben. Und ich lief zu meiner Schwester Maria. Ohne dass die übrigen Trauergäste es merkten, flüsterte sie ihr zu: "Unser Lehrer ist da und will dich sprechen!"
Maria Ich stand sofort auf und lief ihm entgegen. Jesus hatte das Dorf noch nicht erreicht, sondern war dort geblieben, wo Marta ihn getroffen hatte. Dort traf auch ich ihn. Aber die anderen meinten, ich wollte am Grab weinen und so standen sie auf und gingen zum Grab. Ich fiel Jesus zu Füßen und rief "Herr, wenn du da gewesen wärst, würde mein Bruder noch leben!"
Jesus Ich sah, wie Maria und die Trauergäste weinten. Da war ich tief bewegt und erschüttert. "Wo habt ihr ihn hingelegt?", fragte ich und sie antworteten:
Martha "Komm, Herr, wir zeigen es dir!"
Jesus Da kamen auch mir die Tränen. Und sie führten mich zum Grab und einige meinten: "Einen Blinden hat er sehend gemacht. Hätte er nicht verhindern können, dass Lazarus starb?" Ich war tief bewegt und trat an das Grab. Es war eine Höhle, die man mit einem großen Stein verschlossen hatte. "Hebt den Stein weg!" befahl ich. Aber Marta, die Schwester des Verstorbenen, sagte:
Martha Herr, der Geruch wird unerträglich sein! Er ist doch schon vier Tage tot!
Jesus Habe ich dir nicht gesagt du wirst die Herrlichkeit Gottes sehen, wenn du nur glaubst? Also schoben den Stein weg, ich sah zum Himmel auf und betete: "Vater, ich danke dir, dass du mein Gebet erhört hast! Ich weiß, dass du mich immer erhörst, aber ich sage es wegen der vielen Menschen, die hier stehen. Sie sollen alles miterleben und glauben, dass du mich gesandt hast." Dann rief ich laut: "Lazarus, komm heraus!" Und Lazarus kam heraus. Hände und Füße waren mit Grabtüchern umwickelt, und auch sein Gesicht war mit einem Tuch verhüllt. "Nehmt ihm die Tücher ab", forderte ich die Leute auf, "und lasst ihn gehen."

 

Ich möchte einige Personen aus dieser Geschichte nun gemeinsam mit euch betrachen.

 
Da ist erstens Lazarus. Und Lazarus ist krank. Sein Leben ist beeinträchtigt. Sein Leben ist eingeschränkt. Lazarus Leben hat Schattenseiten. Die Krankheit hindert ihn, sein Leben zu leben, wie er es sich eigentlich vorstellt. Außer einer Erkältung, Grippe, Scharlach, Windpocken, Fieber und so weiter kennen wir aber doch auch dieses Dinge, die wir eigentlich nicht in unserem Leben haben wollen. Dinge vor denen wir uns verstecken – uns in unsere Höhle zurück ziehen, Dinge vor denen wir am liebsten weglaufen wollen oder die Decke über den Kopf ziehen, Dinge, wo wir alles dazu tun, nur damit es uns nicht erwischt? Was ist das bei dir? Was sind deine Krankheiten? Was hindert dich so zu leben, wie du es dir eigentlich wünscht? Was beeinträchtigt dein Leben? Wir kennen die Krankheit von Lazarus nicht. Aber er ist so krank, dass er stirbt und vom Leben nichts mehr hat. Er wird in eine Grabhöhle gelegt. Ein Stein wird davor gerollt. Er hat mit den Lebenden nichts mehr gemeinsam.
 
Da sind zweitens seine Schwestern: Maria und Martha. Sie sind Freundinnen von Jesus. Wie geht es wohl Maria und Martha, wenn sie sehen, dass ihr Bruder sehr krank ist? Sie kennen Jesus sehr gut und sie wissen, welche Vollmacht – welche Kraft von Gott – ihm gegeben ist. Und sie rufen nach Jesus. Sie lassen Jesus wissen: Unser Bruder, Lazarus, dein Freund er ist krank. Mit ihrer Hilflosigkeit, denn sie können ihrem Bruder ja nicht helfen, wenden sie sich an Jesus. Sie rufen Jesus um Hilfe an. Machen wir das auch? Wenden wir uns mit unseren Krankheiten, unseren Problemen, unseren Sorgen an Jesus? Maria und Martha sind uns ein gutes Vorbild. Sie bleiben nicht ohnmächtig und allein, sondern wenden sich an den, der Helfen kann. Wo gehen wir hin? Wo holen wir uns Hilfe? Aber Jesus macht sich nicht gleich auf den Weg nach Betanien. Zwei Tage lässt er verstreichen. Dann sind es wohl noch mal zwei Tage, die er braucht, um bis nach Betanien mit seinen Jüngern zu laufen. Vier Tage lang liegt Lazarus bereits tot in seinem Grab, bis Jesus in Betanien ankommt. Manchmal können wir vom Rettungsdienst Menschen wiederbeleben. Aber dann geht es um Minuten. Ein Mensch mit Herz-Kreislauf-Stillstand trägt nach 3 Minuten Schädigungen davon, die nicht wieder rückgängig zu machen sind. Wenn wir zu jemanden kommen, der Verwesungsgeruch hat, dann machen wir keine Wiederbelebungsversuche mehr. Dann wird der Einsatz abgebrochen und der Bestatter und die Polizei dazu gerufen. Dann haben wir nicht mehr zu tun! „Er stinkt schon!“ sagen die Leute zu Jesus. „Da ist nichts mehr zu machen.“ „Wärst du früher hier gewesen, dann würde mein Bruder noch leben.“ sagt Maria zu Jesus. „Für das Leben ist es jetzt zu spät.“ „Ja klar, die Auferstehung, wenn die Zeit der Welt zu Ende geht und wir alle in die Herrlichkeit Gottes gelangen – ja dann, dann wird auch Lazarus auferstehen.“ Kennt ihr das, dass wir darauf warten und hoffen im Himmel liebe Menschen wieder zu sehen? So sagt es Maria hier auch. Lazarus meinem Bruder, ja ihm Himmel sind wir wieder zusammen.
 
Wie findet ihr das, dass Jesus nicht sofort gekommen ist? - Ich glaube, es ist auch heute immer wieder so. Wenn ich bete, dann passiert oft nicht sofort etwas. Manchmal sehe ich gar nicht, dass etwas passiert. Aber vertraue ich dann weiter auf Jesus? Und lasse ich Jesus die Souveränität, dass Er der Herr darüber ist, wann er was tut? Glaube ich an die Allmacht Jesu und Gottes oder ist er nur allmächtig in meinem Glauben, wenn Er das tut, was ich mir wünsche, erhoffe, wovon ich träume und was meine Vorstellungen sind?
 
Maria hat Hoffnung für den Himmel und doch sagt sie zu Jesus „Ich weiß, dass Gott dir alles geben wird, worum du bittest.“ Ist da noch ein Funken der Hoffnung? Was wird Jesus jetzt machen? Jesus spricht: Ich bin die Auferstehung, und ich bin das Leben. Wer mir vertraut, der wird leben, selbst wenn er stirbt. Und wer lebt und mir vertraut, wird niemals sterben. Glaubst du das?
 
Glaubst du das? Vertraust du Jesus zu 100%? Total und ganz, mit Haut und Haar? Ganz egal was passiert? Das ist die wichtigste Frage, die es überhaupt gibt! Und Jesus sagt: Wer mir vertraut, wer an mich glaubt, der wird das ewige Leben haben. Zwar geht unser biologisches Leben zu Ende, aber bei Gott werden wir eine ewiges Leben in aller Herrlichkeit haben. Er ist der wahre Lebensretter.
 
Und dann zeigt Jesus noch einmal, dass ihm die Macht gegeben ist, Leben zu schenken. Er schenkt Lazarus neues Leben. Lazarus wird auferweckt. Zwar nur biologisch, Lazarus musste also irgendwann noch einmal sterben. Aber Jesus zeigt: Ich bin der Herr über deine Krankheit, die dir diesen Tot brachte. Du musst noch nicht ins Grab. Du darfst noch weiter leben. Jesus ruft Lazarus aus seinem Grab heraus: Komm heraus! Komm heraus, du sollst leben. Es ist die Liebe Jesu, die Lazarus aus dem Tod heraus zieht. Und Lazarus steht auf, läuft los und läuft in die offene Arme Jesu. Lazarus Lied auf den Lippen könnte lauten:
 
Ich laufe los, in deine offenen Arme,
Jesus, deine Liebe endet nie.
Ich laufe los, von deiner Liebe gezogen.
Jesus, du gibst Lebensenergie.
 
Wenn Jesus Lazarus aus dem Grab heraus ruft und den Tot überwindet, kann er dann nicht auch dich aus deiner Höhle an Problem und Schwierigkeiten heraus rufen? Kann er dann nicht auch deine Sorgen und Nöte bewältigen? Und ist es dann vielleicht auch dein Lied, dass da heißt:
 
Ich laufe los, in deine offenen Arme,
Jesus, deine Liebe endet nie.
Ich laufe los, von deiner Liebe gezogen.
Jesus, du gibst Lebensenergie.
 
Der Friede Gottes, welcher hoher ist als alle Vernunft bewahre eure Herzen und euren Sinn in Christus Jesus.
Ihre Gemeindepädagogin Steffi Schafhirt