Ev. Melanchthongemeinde Griesheim
- Herzlich Willkommen


 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

ab und zu werde ich gefragt: „Wie geht es Dir?“ Dann sage ich ganz gut und wir sprechen über etwas anders. Manchmal sage ich „es geht“. Dann werde ich gefragt: „geht es Dir nicht gut?“ Doch sage ich es geht schon.

 

Wenn wir fragen: „Wie geht es Dir“? wollen wir wirklich wissen wie es dem andern geht, oder fragen wir einfach höflich, als einem kleinen Zeichen der Aufmerksamkeit? Es kann ja sein, dass es den Fragenden wirklich interessiert wie es einem geht. Der Fragende möchte die innere Beschaffenheit zur Kenntnis nehmen von seinem Gegenüber an dem Tag, oder überhaupt. Je nachdem wie es ausfällt könnte der Gefragte von seiner inneren Tagesform sprechen und so kommt das Gespräch auf wesentliches im Miteinander.

Ab und zu kann es nicht schaden, das wesentliche miteinander zu besprechen. Es kann ja sein, dass der eine antwortet: „Ach weißt du, heute geht es mir schlecht.“ Ich war beim Arzt und der hatte keine gute Nachricht für mich. Jetzt teilen wir diese nicht gute Nachricht miteinander und der die Frage nach der Befindlichkeit stellte hat Zeit zuzuhören. Dem andern liegt die nicht gute Nachricht auf der Seele und das fühlt sich schmerzlich an. Er hat jemanden der ihm zuhört und kann seinen Kummer ein wenig weitergeben. So geht der Kummer etwas von der Seele und diese fühlt sich erleichtert. Manchmal muss man auch im Kummer aufatmen können. Im Gespräch, im vertrauensvollen Miteinander.

Eigentlich ist es ganz schön wenn ich gefragt werde: „Wie geht es Dir“. Ich kann sagen wo der Schuh drückt und ich sage es dem der mich fragt. Manchmal möchte ich es vielleicht anders jemanden sagen, doch der fragt mich nicht. Dann sage ich es doch dem der mich fragt. Ich sollte froh sein, wenn ich nach meiner Befindlichkeit gefragt werde.

Und ich sollte auch mal nachfragen bei meinem Nächsten: „Wie geht es Dir“. Schön wäre wenn ich ehrlich auf die Antwort eingehen könnte. Nicht nur: „Heute hast Du Deinen schlechten Tag“. Wie der Tag wirklich ist das weiß nur der Gefragte. Und ob es sein schlechter Tag ist, sollte ich ihm nicht in den Mund legen.

Dadurch glaube ich ereignet sich etwas mehr Offenheit und Interesse untereinander. Es tut gut gefragt zu werden „Wie geht es Dir?“. Und wenn ich gefragt werde, warum sollte ich nicht vertrauensvoll antworten; so wie es gerade ist.

Und plötzlich unterhalte ich mich mit jemanden wo ich früher nur gesagt habe: „ Es geht mir gut“. Wie geht es Dir? Ich kann den Gesprächsball getrost mal bei mir behalten. Ich kann dieses und jenes sagen und merke, ich fühle mich erleichtert.

Nachdem wir ein längeres gutes Gespräch geführt haben, denke ich, wie gut war es gefragt zu werden: „Wie geht es Dir?“

Ihr Pfarrer Konrad Rampelt