Ev. Melanchthongemeinde Griesheim
- Herzlich Willkommen


 

11. September 2016 Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte wäret ewig. Psalm 107.1

Gnade sei mit euch und Frieden, von dem der da war der da ist und der da sein wird.

Liebe Gemeinde,
Liebe Schwestern und Brüder,

gemeinsam mit Ihnen und Euch möchte ich diesen Gottesdienst heute feiern. Ich freue mich für jeden, der heute da ist. Am 10. September 1986 wurde ich in Hermannstadt in Siebenbürgen ordiniert. Das bedeutet zum geistlichen Amt gesegnet. In der evangelischen Kirche bedeutet Ordination die Berufung, Segnung und Sendung zum Dienst der öffentlichen Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung.
30 Jahre durfte ich im Dienst des Herrn in seiner Gemeinde wirken. Dafür danke ich Gott von ganzem Herzen!


Sechs Jahre war ich Pfarrer in Siebenbürgen in Kleinschenk und Mediasch. In Rumänien in einem Land, wo Freiheit im Kommunismus sehr eingeschränkt war. Es war eine Diktatur. Die Kirche dort war eine Oase, wo das Miteinander und der Glaube gepflegt wurden.
Seit dem 1. Februar 1993 bin ich Pfarrer in Griesheim in der Melanchthongemeinde. Als ich hier begann in der Gemeinde, meine Frau Maria in der Schule, und unsere Kinder Konrad und Christoph im Kindergarten, freute ich mich über die Freiheit in der Gestaltung meines pastoralen Dienstes. Menschen kennenlernen, Besuche, Kontaktpflege, Gottesdienste, Familiengottesdienste mit unserem Kindergarten, Krabbelgottesdienste, Konfirmandenunterricht, Religionsunterricht, Gemeindefest, die Begleitung bei Taufen, Trauungen und Trauerfeiern, Vereine, standen ganz oben auf der Agenda. In diesen 30 Jahren, pastoralen Dienstes, hatte ich ca. 450 Taufen, über 720 Konfirmanden, ca. 360 Trauungen, ungefähr 530 Schüler in Evangelischer Religion, über 700 Trauerfeiern.

Das Gespräch miteinander, die Kontaktpflege, das Gespräch mit Gott ist das springende Leitmotiv in meinem pastoralen Dienst, bis auf den heutigen Tag. Es ist nicht gleich die Sorge um die Seele; es ist zunächst das Gespräch, das hervorbringen, das hervorheben, was wir auf dem Herzen haben. Wenn dieses Gespräch stimmig ist, vertrauensvoll wird, dann kommt die Sorge. Zunächst ist es die Sorge um den Leib. In all dem was er kann und oft durch Krankheit nicht mehr kann. Wenn das Gespräch vom Leib an seine Grenzen kommt, mit seinem Latein am Ende ist, dann kommt die Rede auf die Seele.

Was ist die Seele?
Im Glaubens-ABC der EKD steht für Seele: Jeder Mensch hat eine Seele (griech.:psyche) und ist darin unverwechselbar. Er besteht aus mehr als der Summe seiner wissenschaftlich beschreibbaren Körperteile und -funktionen. Psychologie wird die Wissenschaft von der Erforschung der Psyche genannt. Nephesch wird die Seele im AT genannt. Als Einheit von Leib und Seele. Immer also ist „nephesch“ die „Seele eines Leibes“. „Seele wäre nicht
Seele, wenn sie nicht leibhaft – und der Leib nicht
 Leib, wenn er nicht beseelt wäre“ schreibt der
Theologe Karl Barth.

Man sagt: Menschen sind ein Herz und eine Seele. Tiefe und unzertrennliche Verbundenheit scheinen hier auf. Sie ist eine Seele von Mensch. ER ist eine lebendige Seele. Sie verspürt einen Seelenhunger. Der Mensch braucht Seelennahrung. Sie hat den Schlüssel zur Seele gefunden. Diese Seelenlandschaft ist faszinierend. Man sieht nicht nur was vor Augen ist, man hat gelernt die Seele zu sehen nicht nur den Leib.
Habe ich ein Auge für sie Seele bekommen? Oder geht mir gleich, das Äußere, der Leib, der Körper ins Auge?

Geistliche und weltliche Machtmenschen haben im Laufe der Geschichte, Menschen in Seelenhaft genommen. Innerlich, seelisch haben sie sie gefangen genommen. Anfangs einfühlsam, sachte und dann mit aller Macht als Diktatoren.
Gibt es heute Menschen, die über mich seelische Macht haben? Deren Einfluss wir uns nicht entziehen können? Hier kommt die Sorge um die Seele zum Vorschein. Was macht mich frei? Wie kann ich frei sein? Wie kann ich befreien? Nur als freier Mensch kann frei machen. Sind wir heutzutage frei? Oder pflegen wir die kleinen Freiheiten? Gibt es Seelenhunger nach etwas anderem? Oder ist es sehr gut so wie es ist? Einige Fragen, von denen die eine und andere offen bleibt.  

Liebe Gemeinde,
Martin Luther schreibt von der Freiheit eines Christenmenschen: „Im Glauben bin ich ein Herr aller Dinge“ „In der Liebe, jedermanns untertan“. Das gefällt mir. Hat mir immer schon gefallen. Herr und Diener bin ich als Christ in Personalunion. Die Kunst der Unterscheidung, das macht den Theologen, Seelsorger und Menschen aus. Wann ist mein Dienst der Liebe gefragt, wann Souveränität in der Haltung?

Für unsere und meine offenen Fragen ist Gott immer eine gute Adresse. Ihm können wir, kann ich alles anvertrauen. Gerade das, was für unsere Nächsten zu schwer erscheint. Mit Gott können wir den Weg nach innen gehen, den Seelenweg, damit wir wirklich bei uns ankommen. Dann kommen wir bei den Menschen auch an.  

Dankbar möchte ich heute mit Ihnen, mit euch feiern, weil ich ein fröhlicher Mensch bin. Zufrieden bin ich nicht immer.
Dazu habe ich ein ansprechendes Wort der Heiligen Schrift aus dem 1 Thessalonicher Brief 5.16-24  gefunden: So schreibt der Apostel.
Seid allezeit fröhlich, 17 betet ohne Unterlass,
18 seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch. 19 Den Geist dämpft nicht.
20 Prophetische Rede verachtet nicht.
21 Prüft aber alles und das Gute behaltet.
22 Meidet das Böse in jeder Gestalt.
23 Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt, untadelig für die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus. 24 Treu ist er, der euch ruft; er wird's auch tun.
Herr segne diese Worte an unseren Herzen.

Liebe Gemeinde,
manchmal habe ich mich gefragt, wieso ich so fröhlich bin. Meistens bin ich gut gelaunt. Mit dem Fahrrad bin ich eigentlich nur unterwegs hier in Griesheim, und wenn die Leute mich sehen lächeln sie mich an. Das freut mich. Ich dachte einmal: „Bist Du so eine Lachnummer, dass alle dich anlächeln?“ Ich dachte weiter und merkte: „Die Leue lächeln nur zurück weil ich lächele und etwas Freundliches und Anerkennendes sage. Das tut gut. Und die Menschen lächeln einfach zurück. Es ist immer gut, wenn es noch etwas zu lachen gibt. Auch in der Kirche.
Wenn meine Seele frei ist, kann ich lächeln und mich freuen. Dazu muss ich kein Seelsorger sein. Ich darf einfach Kind, Kind Gottes sein. Und wir sind alle Kinder Gottes! Alle, die sich in seinem Namen versammeln und ihm vertrauen.
Ich kenne Menschen die nicht mehr vertrauen können. Gott und den Menschen. Gott und die Menschen haben ihnen zu viel angetan, oder auch nicht geholfen in der Not. Was soll ich dazu sagen? Vielleicht still und würdigend diese Menschen anhören.
Auf der anderen Seite gibt es so viel worüber wir dankbar sein können: für unser Leben, für die Menschen die uns hilfreich begleiten und da sind, an unserer Seite. Gott danken, dass er da ist und da war an unserer Seite.
Der Apostel legt uns nahe: seid dankbar und betet.
Pflegt die Beziehung zu Gott. Pflegt dankbar, die Beziehung zu Gott, wie eine Beziehung zu Menschen. Mit all dem was dazu gehört. Nähe und Ferne. Ferne und Nähe!
Erst mit Gott an der Hand habe ich im Laufe der Jahre Einblick in das Seelenleben bekommen. In meines und in das der Menschen. Mit Jesus, dem Christus, der im Hebräerbrief der Bischof unserer Seelen genannt wird. ER ist nicht nur einer der sorgt, sondern auch führt und leitet die ihm Vertrauen. Der Seelenbegleiter und -leiter von vielen. Der himmlische Seelenleiter im Heiligen Geist von allen Gläubigen weltweit. Manchmal wollen die Vielen leiten und das ist nicht immer die Stimme Gottes. Ich glaube, die vielen, im Ausbruch ihrer Emotion, sind sie nicht geschützt vor Hysterien.

Der Apostel schreibt weiter: Prüfet alles. Das Gute behaltet. Das Gute erkennt meine Seele durch Unterscheiden, Differenzieren, aus seiner Identität, aus seinem persönlichen Grund heraus.

Und hier und jetzt kommt der Gott des Friedens zum Vorschein! Ich kenne nur den Frieden, keinen Krieg. 1981 hatte ich als rumänischer Soldat Angst, dass die Russen uns in den Krieg mit Afghanistan hineinziehen. Gott sei Dank ist das nicht passiert. Andere haben später diesen Krieg übernommen. Andere haben Kriege geführt. Wir spüren die Folgen davon bis heute. Trotzdem darf ich zu dem Gott des Friedens flüchten! Vor allem in der Sorge um die Seele. Der Mensch braucht seinen Seelenfrieden!

Der Apostel fährt weiter fort mit dem Gott des Friedens.
Er möge uns heiligen. Wir sind nicht heilig. Können es nicht sein. Der Gott des Friedens spricht uns frei und spricht uns heilig, wenn wir das wollen. Das ist unsere Entscheidung. Und wenn wir seine Heiligung zulassen, folgt in dieser Kette: die Bewahrung unseres Geistes und unserer Seele. Im Seelenfrieden wird unser Geist bewahrt vor der Angst, ja der Todesangst.
Die Bewahrung des Geistes und der Seele ist das Werk Gottes. Im Glauben an Jesus Christus, halten wir uns an ihm. Wir spüren, er hält uns und gewinnen dadurch Halt und Haltung fürs Leben.

Sozusagen die Bestätigung unserer Haltung und unserer Identität, als Grund und Basis des Glaubens. Samt Leib und Seele schreibt der Apostel.

Wir sind geschützt, bewahrt, geheiligt, gesegnet in der Zeit für die Ewigkeit. Im Himmel wie auf Erden. Das klingt ja fast wie im 7. Himmel. Und es kommt noch besser: Unversehrt und untadlig bis zur Ankunft unseres Herren Jesus werdet ihr sein.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. AMEN