Ev. Melanchthongemeinde Griesheim
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29.05.2016 Jesus spricht zu seinen Jüngern: Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich.
(Lukas 10,16)

Wie spricht Gott durch Menschen?

Gnade sei mit euch und Frieden von dem, der da war, der da ist und der da sein wird!  

Wir hören Worte der Heiligen Schrift1. Johannes 4,16b-21

Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. Darin ist die Liebe bei uns vollkommen, dass wir Zuversicht haben am Tag des Gerichts; denn wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt.
Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus; denn die Furcht rechnet mit Strafe. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe.
Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.
Wenn jemand spricht: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, der kann nicht Gott lieben, den er nicht sieht. Und dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.

Liebe Gemeinde,

ich weiß nicht wie es ihnen geht mit diesem Wort der Heiligen Schrift. Gott ist die große, unendliche Liebe. Angst und Furcht sind nicht in der Liebe. Wieso kommen hier noch der Hass und die Lüge vor? Dazu kommt: Liebe Gott und deinen Nächsten geht nur zusammen. Zunächst wollen wir uns mit dem Begriff der Liebe beschäftigen.

Liebe ist menschlich gesehen ein starkes Gefühl, wo zwei Herzen zusammen, füreinander schlagen, wo zwei Menschen zusammen finden, die für einander da sind in guten und schlechten Zeiten. Menschen die Freud und Leid teilen und sich gegenseitig stützen und helfen. Es ist ein Wunder, dass Menschen zueinander finden und in Liebe zueinander stehen.

Dieses Jahr habe ich eine Reihe von Trauungen;  junge Menschen, die sich kirchlich trauen. Eine schöne Sache im Beruf eines Pfarrers, sind die Traugespräche. Ich frage nach der Biographie der Liebe bei dem Brautpaar. Es ist schön zu hören wie zwei Menschen aufeinander aufmerksam werden, wie sie sich näher kommen, wie sie sich schätzen und lieben lernen und wie sie zusammen sein und zusammenbleiben möchten. Dazu bitten sie um den Segen Gottes. Der Bund der Ehe soll vor Gott und der christlichen Gemeinde geschlossen werden.

Natürlich könnte die Liebe in anderen Zusammenhängen geschildert werden. Jesus hat uns so einige Geschichten der Zuwendung erzählt. Zum Beispiel vom barmherzigen Samariter. Gerade  wo er gefragt wurde: Wer ist mein Nächster? Da geht es nicht mehr nur um den geliebten Menschen an der Seite, sondern den Menschen in Not, der Hilfe braucht. Jesus erzählt von einem Menschen der unter die Räuber fällt und schwerverletzt liegengelassen wird. Ein Schriftgelehrter und ein Pharisäer gehen an ihm vorbei. Sie fassen ihn nicht an wegen den Reinheitsgeboten. Ein Samariter, ein Fremder hilft. Der Fremde bringt den Schwerverletzten zur Behandlung und lässt Geld da, damit sich der Herr des Hauses um ihn kümmert. Jesus sieht beim Fremden die Zuwendung und die Hilfsbereitschaft angesiedelt. Die göttliche Liebe bekommt hier einen allgemeinen Bezug zu dem Menschen in Not. Christliche Liebe ist immer dort angesiedelt wo Menschen Hilfe brauchen, wo Menschen gerettet werden sollen und wo Menschen Beistand brauchen.

So wie bei einem verliebten Paar hätte man meinen können, dass zwei, die Liebe, die sie selbst erleben im mit- und füreinander, dass sie immer noch etwas übrig haben für die andern, die Fremden und die Hilfebedürftigen.

An dieser Stelle kommt die Angst ins Spiel. Die Angst vor dem Andern, die Angst und Frucht vor dem Fremden. Vielleicht nimmt Jesus deswegen das Beispiel mit dem Fremden. Ihn gibt er als den Hilfsbereiten und Retter in der Not an nicht den Vertrauten aus dem eignen Haus, dem Haus des Auserwählens, dem Haus Israel, dem christlichen Haus.

Jesus will sagen, der Fremde ist nur ein Mensch wie alle andern, ein Mensch der Hilfe braucht und vor allem ist er ein Mensch, der selbst hilft.

Jesus nimmt die Angst vor dem Fremden und stellt ihn als Helfer hin und als Retter. ER ist derjenige, der die Zuwendung und Hilfsbereitschaft des Himmels auf Erden weitergibt. Gott ist die Liebe. Hier wird Nächstenliebe weitergegeben ohne Angst und Furcht.
Der Samariter, der Fremde hilft und bringt den Verletzten in ein Haus wo man ihm helfen kann. In ihm ist Liebe und in ihm sind keine Furcht und keine Angst.

Die Hilfsbereitschaft kennt die große Zuwendung, die man Liebe nennt und sie kennt keine Angst. Menschen die Angstfrei in der Flüchtlingsarbeit helfen. Viele um Gottes Willen und viele um der Menschen willen.

Liebe wird hier als besondere Zuwendung geschildert, die angstfrei ist und die einfach nur hilft und rettet. Christliche Liebe kennt das Verschmelzen in einer Partnerschaft die sich füreinander entdeckt hat und sich füreinander auserwählt fühlt. Sie ist dankbar und froh darüber. Christliche Liebe erschöpft sich nicht darin.

Sie hat den Nächsten und Fremden mitentdeckt, der Hilfe, Rettung und Zuwendung braucht. Angstfrei soll ihm begegnet werden. Angstfrei soll auch ihm geholfen werden. In der Hilfe erfüllt sich die Liebe.

Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.
Wenn jemand spricht: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, der kann nicht Gott lieben, den er nicht sieht. Und dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.

Was mich verblüfft sind nun die Begriffe Hass unter den Brüdern oder Schwestern und Lügner in Beziehung zu Gott.

Es ist eine gewisse Verrücktheit im wahrsten Sinne des Wortes wenn gerade hier im Bezug der großen Zuwendung und im Bezug der großen Hilfe und Rettung von Hass die Rede ist.
Hass ist eine menschliche Emotion scharfer und anhaltender Antipathie. Ausgehend von der Fähigkeit zu intensiven negativen Gefühlen wird der Begriff auch im übertragenen Sinne verwendet und steht allgemein für die stärkste Form der Abwendung, Verachtung und Abneigung. Die Motive des Hassenden können teils unbewusst sein, lassen sich in der Regel jedoch bewusst machen. Als Gegenbegriff in vergleichbarer Gefühlsstärke wird vor allem die Liebe angesehen.

Hass und Liebe als Gegensätze. In der Verbindung zu Gott werden sie in gute Bahnen gelenkt. In der Beziehung zu Gott wird die Liebe groß und dem Hass wird die Grundlage entzogen.

Hier hilft das Wort Christi weiter: Jesus spricht zu seinen Jüngern: Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich.

In der Verbindung zu ihm merken wir, wie Gott durch Menschen zu uns spricht!

Hier spüren wir, dass wir nur in der Verbindung mit Gottes Wort, nur in der Verbindung zu Jesus unserem Retter und nur in der Verbindung im Heiligen Geist aus der Spirale des Verloren seins heraus kommen um dem Herrn der Zeit und der Ewigkeit die Ehre zu geben und nicht verloren zu sein am Tag seiner Wiederkunft. AMEN

Und der Friede des Herrn sei mit uns allen.

Mit herzlichen Segenswünschen,
Ihr Pfarrer Rampelt