Ev. Melanchthongemeinde Griesheim
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Lätare 6. März 2016 Römer 8,14-17

Wir sind alle Kinder Gottes

Liebe Eltern, liebe Gemeinde,
liebe Konfirmanden,

letzte Woche rief mich ein Kollege an und meinte: Habt ihr auch weniger Konfirmanden wie in den letzten Jahren? Möglicherweise sagte ich.
Ich bin aber froh für diejenigen, die da sind und gerne zum Konfirmandenunterricht kommen. In einer Sache waren wir uns einig. Die Konfirmanden werden nicht mehr von Oma in Konfi geschickt; sie kommen freiwillig.

Bei all dem medialen Einfluss heue, kann man den Konfirmanden ruhig ein Kompliment machen. Dass sie da sind in unseren Gottesdiensten, ja hier in der Gemeinde.

Die sogenannte evangelische Freiheit bringen sie mit. Wir müssen mit dieser Freiheit achtsam umgehen, dass hier jeder spürt es ist ein befreiender Gott der uns ruft. Und dieser befreiende Gott zeigt uns immer wieder neue, gangbare und gute Wege auf. Auch heute! Hier und jetzt. Er geht an unsrer Seite. Manchmal verstehen wir ihn nicht was er meint. Manchmal wundern wir uns was er alles zulässt!? Die warum Frage bleib offen. Wir haben gelernt wozu zu fragen nicht warum! Wozu geschieht dieses oder jenes. Das könnte weiter helfen!  
Dennoch wollen wir Gott vertrauen. Manchmal ist er ein Rätsel an dessen Lösungen wir ein Leben lang suchen.  

Mit den Eltern von den 4 Konfirmanden, die heute getauft wurden führte ich auch ein Gespräch und bin ihnen dankbar, dass Sie das Vorhaben ihrer Kinder unterstützen.

Einen Aspekt ihres Glaubens formuliere ich hier. Der Glaube als Bezug, als Beziehung, die immer da ist zu dem vertrauten und manchmal weniger vertrauten Gott. Gott ist nicht nur das personifizierte Vertrauen; manchmal ist er das große Rätzel. Dieser Aspekt ist in der Kirche unterbelichtet und deswegen sind schon einige vom Glauben abgesprungen oder abgefallen!!! Er ist nicht immer so einfach zu begreifen! Im wahrsten Sinne des Wortes. Ich glaube eher im an-vertrauen kommen wir ihm näher, als im rationalen begreifen wollen.

So nach dem Motto eines Kindergebets: „Ich bin klein, mein Herz ist rein; soll niemand drin wohnen als Gott allein.“ Wohl dem der Gott einlädt in seinem Herzen zu wohnen!


Für den heutigen Sonntag hören
wir Worte der Heiligen Schrift aus dem Römerbrief vom Apostel Paulus: 14 Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. 15 Denn ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen, daß ihr euch abermals fürchten müßtet; sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch den wir rufen: ABBA, lieber Vater.

16 Der Geist selbst gibt Zeugnis unserem Geist, daß wir Gottes Kinder sind.   

17 Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, wenn wir denn mit ihm leiden, damit wir auch mit zur Herrlichkeit erhaben werden.

Liebe Gemeinde,

die evangelische Freiheit ist eines der höchsten und schönsten Güter unsrer Kirche. In diesem Geist der Freiheit sind wir in der Beziehung zu Gott Kinder. Wir sind Kinder seiner Liebe, Kinder des Glaubens und Kinder der Hoffnung. Kinder der Barmherzigkeit und Kinder des Vertrauens.  

Wenn wir uns eine Familie anschauen merken wir gleich, dass all die schönen Dinge die da aufgezählt wurden schon mal unters Rad gekommen sind.

Ich nenne mal die Liebe. Sie wurde schon mal mit einem falschen Blick, mit einem befremdenden Wort, mit einer abfälligen Geste irritiert, ja vielleicht sogar verletzt. Der eine in der Familie hat dafür Verständnis, der andere nicht. Eine Spannung tut sich hier auf und wenn die Kinder dazwischen stehen wird es nicht besser. Mit Alleingängen kann man sich von den Vertrauten entfernen oder man sucht den Weg der Umkehr in kleinen Schritten der Zuwendung und des neuen Verständnisses.

Damit hat man gezeigt, ich bin nicht ein individualistischer Egozentriker, getrieben von meinen Vorstellungen, sondern ein Teil der Familie, der christlichen Familie, wo jeder, jedem am Herzen liegt.


Wenn wir schon Kinder Gottes sind, alle und überall auf dieser Erde, dann sollten wir es im Kleinen, in der Familie, vor Ort in der Gemeinde, besonders sein. Damit zeigen wir, dass wir motivierte seines Geistes sind. Welche der Geist Gottes treibt, gefällt mir nicht so gut. Welche der Geist Gottes bewegt, motiviert, gefällt mir persönlich besser. Welche der Geist Gottes motiviert und bewegt, das sind Gottes Kinder. Als bewegte und motivierte vom Geist Gottes sind wir seine Kinder.

Ich sage bewusst nicht Getriebene. Denn Getriebene sind schwer aufzuhalten. Kennen weniger Gnade und Barmherzigkeit. Getriebene können schwer Grenzen einhalten. Bei Getriebenen da gehen die Gäule durch und man kann leicht überrannt werden. Hier soll keiner überrannt werden.  

Es ist schön, wenn jemand motiviert ist. Der eine kann motiviert sein für Technik. Funktionsweisen von Geräten, komplexe Systeme interessieren, und man möchte wissen, wie das im Innersten funktioniert. Da kann es schon sein, dass man bei all diesem Interesse so in den Sog der komplexen Systeme hineinkommt, dass einem der liebe Mensch an der Seite ein wenig in Vergessenheit gerät. Der liebe Mensch wundert sich, und sagt, „Ich fühle mich vernachlässigt“. Dieses Signal reicht um nicht in das getrieben Sein abzurutschen.

Eine andere schöne Motivation ist die Beziehungspflege zu vertrauten Menschen, Freunden und Glaubensmenschen. Jeder weiß welche Rangordnung die eine oder andere Beziehung einnimmt. Sympathiewerte spielen eine große Rolle. Gemeinsame Interessen und möglicherweise persönliche Grundlagen.

Bei den persönlichen Grundlagen siedle ich den Glauben an. Der Apostel Paulus schreibt: Der Geist selbst gibt Zeugnis unserem Geist, dass wir Gottes Kinder sind.    

Wenn wir uns über unsere persönlichen Grundlagen austauschen, merken wir, ein oder besser gesagt der Bezug im Leben ist Gott.

Auf der Austauschskala steht dieser sehr persönliche Bezug vielleicht nicht ganz oben. Doch in einem Gespräch kann es sein, dass der eine oder andere große Hilfe oder Rettung erfahren hat. Dankbar kann das gesagt werden. Dankbar kann das weitergegeben werden auch den Kindern.

Im Zeittrend habe ich von Rettung und Heilung gesprochen. Das ist natürlich da erste was ich von Gott zu sagen hätte. Gott rettet. Jesus der Christus heilt. Der Heilige Geist erneuert den Menschen.

Nicht so der Apostel Paulus hier an dieser Stelle: Er spricht vom Leid. V17 Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, wenn wir denn mit ihm leiden, damit wir auch mit zur Herrlichkeit erhaben werden.

Der Apostel bringt das Leiden in Spiel als Eindruck und Ausdruck der göttlichen Beziehung. Im Leiden, in Trübsal und Bedrängnis sieht der Apostel seine Beziehung zu Gott. Er kommt gar nicht auf den Gedanken, in der Not Gott zu verlieren. In der Not ist er greifbarer. Nach dem alten Spruch: Not lehrt beten!

In diese Dimension des Leides fügt der Apostel das Ewige Leben dazu.

An diesem Punkt der Beschreibung des Leides, können wir all das Schmerzliche im Leben als Eindruck formulieren und zum Ausdruck bringen!

Hier können wir unsere Ängste in dieser Zeit ansiedeln. Ängste vor einer unsicheren Zukunft. Ängste vor Krankheit, Ängste vor Trennung, Ängste vor Unterdrückung, Ängste vor Unfreiheit. Das ist die Kehrseite des Glaubens. Nämlich der Zweifel.

Und Gottes Kinder dürfen auch Zweifel haben. So große Zweifel, dass sie fast aus der Bahn geworfen werden. Ängste und Zweifel sind die Kehrseite der Medaille des Glaubens.  

Mit dieser Kehrseite des Glaubens gehe ich auch zu Gott. Meine engen Grenzen meine Ängstlichkeit bringe ich vor Gott. Wandle sie in Weite, Herr erbarme dich. Werden wir gleich singen! Meine tiefe Sehnsucht….Mein verlorenes Zutrauen….

Dazu kommt:

Der vertrauensselige Blick eins Kindes kann uns wieder auf den guten Weg bringen. Kinder in ihrer Vertrauensseligkeit sind Erben seines Geistes.

Jesus sagt: lasst die Kinder zu mir kommen. Ihnen gehört das Reich Gottes. Im Glauben, den Gott uns schenkt werden wir immer neu in diese kindliche Vertrauensseligkeit hineingenommen.

Diese kindliche Vertrauensseligkeit  Gott gegenüber wünsche ich uns allen! Und der Friede Gottes sei mit uns allen. AMEN