Ev. Melanchthongemeinde Griesheim
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21.02.2016 Reminiszere Römer 5, 1-6

Bringt Trübsal Bewährung!?

Gnade sei mit euch und Frieden von dem der da war, der da ist und der da kommen wird!

Die Treppe, die nach oben führt:
Bedrängnis, Geduld, Bewährung, Hoffnung

Liebe Gemeinde,

in meiner ersten Predigt vor 33 Jahren habe ich über diesen Text das erste Mal gesprochen! In unserer Studentengemeinde in der Johanneskirche in Hermannstadt.

Trübsal bringt Bewährung, Bewährung bringt Hoffnung. Das habe ich damals so ausgelegt: Trübsal ist gleich Bedrängnis! Sie bedingen sich gegenseitig.

Druck erzeugt Gegendruck! Darin kann Liebe wirksam sein.

Die andere Geistliche Erfahrung ist diese: Gold muss geläutert werden, damit es rein wird! Das gilt in Bezug auf "Läuterung eines Menschen" oder "Läuterung der Seele eines Menschen": Das ist eine "Reinigung" des Geistes bzw. der Seele.

Paulus beschreibt eine Kette geistlicher Erfahrung! Es ist eine Treppe der Hoffnung!
Diese Sätze stehen wie eine Mauer.
Hinter diesen Sätzen verbirgt und konzentriert sich die Erfahrung eines ganzen Lebens.

In einer Predigt können diese Erfahrungen, Gründe und Abgründe nur angedeutet werden. Was heißt das also: Wir haben Frieden mit Gott durch Jesus Christus? Und was heißt: Wir rühmen uns der Bedrängnisse?

Es gibt Erfahrungen, wo Menschen plötzlich merken:
Ich habe in einer Krise gesteckt, aber jetzt ist diese Krise verschwunden, und ich habe neue Hoffnung geschöpft. Ich habe neues Vertrauen in das Leben gewonnen. Ich bin nicht mehr verzweifelt. Ich blicke mit aller Zuversicht und Freude und Kraft in die Zukunft.
Die Krise kann eine
Krankheit gewesen sein,
der Verlust des Arbeitsplatzes, eine Enttäuschung, eine Trennung, eine Depression, was auch immer einen Menschen belastet, bedrückt und beschwert und wovon er jetzt Erleichterung oder Entlastung spürt. Was genau diese Veränderung bewirkt hat, das entzieht sich oft einer genauen Analyse: Es kann das Gespräch mit einem Freund gewesen sein oder ein gutes Essen oder ein Krankenhausaufenthalt oder ein Tag Sonnenschein.
Momente eines Lebens,
wo die Erkenntnis aufblitzt:

Es geht  weiter. Ich habe Trost gefunden.
Ich habe eine Krise überwunden.
Ich kann wieder lachen.

Ich kann wieder hoffen. Das ist keine Erfahrung, die man jeden Tag machen kann. Solche Erfahrungen sind oft seltene Geschenke. Aber es sind diejenigen Erfahrungen von Hoffnung, die so wichtig sind, daß sie einen das ganze Leben tragen können.

Hilde Domin hat das 1959 in die Worte gefasst:

"Keine Katze mit sieben Leben,
keine Eidechse und kein Seestern,
denen das verlorene Glied nachwächst,
kein zerschnittener Wurm ist so zäh wie der Mensch, den man in die Sonne von Liebe und Hoffnung legt. Mit den Brandmalen auf seinem Körper und den Narben der Wunden verblasst ihm die Angst.

Sein entlaubter Freudenbaum treibt neue Knospen, selbst die Rinde des Vertrauens wächst langsam nach."

Einen Menschen trifft der Sonnenstrahl von Glaube, Liebe und Hoffnung. Besser kann man das nicht ausdrücken, wovon Menschen leben.

Das meint Paulus, wenn er schreibt:

"Wir haben Frieden mit Gott durch Jesus Christus." Diesen Frieden können wir nicht selbst schaffen, sondern er trifft uns wie ein wärmender, heller Sonnenstrahl.
Der Sonnenstrahl gibt Kraft und Hoffnung auf die Zukunft, Wärme und Zuversicht. Er hilft, das Leben in all seiner Kälte zu ertragen. Diese Kälte fasst Paulus in das Wort "Bedrängnisse".

Wir rühmen uns der Bedrängnisse, sagt Paulus, aber er zeigt auch eine Treppe, die aus ihnen herausführt.
Das Leben läßt sich in der Tat als Treppensteigen verstehen. Früher, in optimistischeren Zeiten, glaubte man noch, es gebe nur eine
einzige Treppe und deren Name sei Fortschritt und führe immer nur nach oben, in die Zukunft, in den Wohlstand, ins Glück und zum Reichtum. Das Bild, das ich gerade beschrieben habe, macht einen anderen Eindruck: unübersichtlich vor allen Dingen, eher ein Labyrinth als eine Einbahnstraße nach oben.

Keiner kann sicher sein, wo er ankommt,
wenn er losgeht.

Es gibt sichere Treppen nach oben, auch sichere Treppen nach unten, aber auch Treppen, die dort enden, wo sie begonnen haben, Treppen, die nur scheinbar ein Stockwerk höher oder niedriger führen.

Ich habe das Bild vom Leben als Treppengehen eingeführt, weil ich meine, dass auch Paulus solch eine Treppe schildert, eine Treppe mit vier Stufen:
Bedrängnis, Geduld, Bewährung, Hoffnung.

Man kann das nun nach alter Weise als eine Treppe des Fortschritts christlicher Tugend lesen. Ich will das mit einem Vergleich deutlich machen. Für den Körper des Menschen gilt: Wer Treppen steigt, statt Rolltreppe oder Fahrstuhl zu benutzen, der übt den Kreislauf und senkt lebensverlängernd den Blutdruck. Dasselbe gilt nach dieser alten Sichtweise auch für die Seele: Wer die Treppe von der Bedrängnis bis zur Hoffnung hochsteigt, der kann lebensverlängernd Trauer, Verzweiflung und Leiden besiegen, der gewinnt schließlich eine
Hoffnung, die ihn alles aushalten lässt.

Die göttliche Hoffnung ist uns gegeben: Gottes Liebe ist ausgegossen in unsere Herzen!

"Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen." Diese Liebe hilft uns auf der Treppe von der Bedrängnis zur Hoffnung. Und dieser Liebe, so Paulus, kann man gewiss sein, auf welcher Treppe auch immer sich ein Mensch befindet, egal ob ihm die Treppe Mühe bereitet oder ob er gelegentlich zwei Stufen auf einmal nimmt.
Mit dieser Liebe im Herzen können die Treppen nach oben, vor allem auch nach unten gegangen werden. Denn die Herzen sind erfüllt von Liebe.

Und der Friede Gottes sei mit uns allen! AMEN.