Ev. Melanchthongemeinde Griesheim
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Sonntag Jubilate 17.04.2016

2. Kor. 5.17 Ist jemand in Christus so ist er eine neue Kreatur,

das alte ist vergangen, siehe Neues ist geworden.

Lesung: Joh. 15.1-8

Vom neuen Menschen

Gnade sei mit euch und Frieden!

Von der Kraft des Glaubens 1 Johannes 5.1-4

5.1 Wer glaubt, dass Jesus der Christus ist, der ist von Gott geboren; und wer den liebt, der ihn geboren hat, der liebt auch den, der von ihm geboren ist.

2 Daran erkennen wir, dass wir Gottes Kinder lieben, wenn wir Gott lieben und seine Gebote halten.

3 Denn das ist die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten; und seine Gebote sind nicht schwer.

4 Denn alles, was von Gott geboren ist, überwindet die Welt; und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.

5 Wer ist es aber, der die Welt überwindet, wenn nicht der, der glaubt, dass Jesus Gottes Sohn ist?

Liebe Gemeinde,

vor über 10 Jahren sind wir im Sommer immer nach Spiekeroog gefahren mit Familienfreizeiten. Bis auf den heutigen Tag gibt es bei uns die sogenannten Spiekeroog Freunde, die die Glockenspiel Konzerte ausrichten. Auf Spiekeroog berichtete in der Stunde der Bibel eine Frau aus Frankfurt glücklich von der Zeit mit ihrer Tochter, die behindert war und mit 15 Jahren starb.

Sie berichtete dass sie seelsorgerlich von Ordenspriestern begleitet wurde gemeinsam mit ihrer Tochter. Es war eine wunderbare Zeit die uns gemeinsam geschenkt wurde, sagte sie. Ich habe gelernt, dass der Glaube trägt im hier und heute und das habe ich erfahren. Sie machte die Erfahrung: „In Gott ist Freude, in allem Leide.“. Sie lernte sehen und lieben, das Kind das da ist, nicht solange wie andere Kinder. Sie lernte die Zeit schätzen, die ihr gemeinsam mit ihrer Tochter geschenkt wurde. Mir wurde bewusst, diese Frau ist ein wunderbares Kind Gottes. Sie hat vielen etwas voraus. Sie wartet nicht auf komische Wunder. Sie ist es. Das Wunder! Nämlich die personifizierte Liebe zu Gott und die Annahme des Schicksals, das manchmal unbarmherzig erscheint. Für sie war ihr Schicksal nicht unbarmherzig, sie freute sich über die gemeinsame Zeit mit ihrer Tochter. Sie liebte ihre Tochter sehr. Eine wunderbare gemeinsame Zeit sagte sie. Es kann eine wunderbare Zeit sein, mit Behinderten zu leben. Ein behindertes Kind liebt man mehr als die anderen habe ich mal gehört. Bewusst habe ich das Wunder, das Wunderbare im Bezug zu Behinderungen aufleuchten lassen.

Christliches Leben so berichtet Johannes lebt von der Liebe und vom Vertrauen. Vom Vertrauen zu Jesus dem Christus dem Heiler und Helfer und von der Liebe, die bereit ist zu schenken und zu geben ohne arm zu werden. Schenkende Liebe wird reicher und nicht ärmer. Das sind die Wunder und das Geheimnis der Christlichen Liebe.

Christliches Leben erklimmt nicht nur Fortschritte der Zeit sondern ist stark und gefestigt in den Rückschritten der Schicksalsschläge. Dazu gehören Krankheit, Ohnmacht gegenüber unsäglichen Veränderungen, hier könnte ich an die Medien denken, verpasste Chancen, Leben in Angst, Gefangen in Einsamkeit, und vieles mehr.

Der berühmte Lied- und Kirchenliederdichter Paul Gerhard von dem wir heute geistlich gestärkt werden mit seinem Lied: „Du meine Seele singe“ musste durch viel Leid gehen. Von seinen 5 Kindern starben 4. Seine Frau starb mit 45 Jahren. Nach all den Schicksalsschlägen schreibt er trotzdem, trotz alledem, erfüllt von der Liebe Gottes: „Du meine Seele singe“!

1 “Du meine Seele, singe, / wohlauf und singe schön

dem, welchem alle Dinge / zu Dienst und Willen stehn.

Ich will den Herren droben / hier preisen auf der Erd;

ich will Ihn herzlich loben, / solang ich leben wird.“

So kann nur ein geistlich Gefestigter in der Liebe Gottes schreiben, dichten und singen. Seine Augen zum Himmel erheben und singen und singen; der verbunden ist mit seinem Schöpfer und ihm voll vertraut, der singt, glaubt und liebt. Aus der vertrauensvollen göttlichen Verbundenheit fließt die Liebe. Er schöpft aus der Quelle der Liebe. Er spürt die Quelle des Schöpfers. Er kniet und trinkt aus der Quelle, weil er nicht mehr aufrecht stehen kann. Er wird nicht irre an Gott sondern bejubelt seine Liebe:

„Hier sind die starken Kräfte, / die unerschöpfte Macht;

das weisen die Geschäfte, / die Seine Hand gemacht:

der Himmel und die Erde / mit ihrem ganzen Heer,

der Fisch unzähl´ge Herde / im Großen wilden Meer“.

Seine Seele erhebt den Herrn und wir wundern uns, dass er das tut. Singt und liebt. Gott singt und Gott liebt.

Hier fällt mir ein Erlebnis von vor über 35 Jahren ein. Damals dachte ich noch nicht daran Pfarrer zu werden. Als ich im Gymnasium war, kamen bei einem Lawinenunglück in den Karpaten 20 Gymnasialschüler um. Bei einer dieser Beerdigungen war ich dabei, denn es war der Bruder von einem Freund. Unser späterer Studentenpfarrer an der Theologischen Fakultät, mit dem wir Kirchenmusik hatten, verlor dabei eine Tochter. Bei der Beerdigung wurden Choräle gesungen und Pfarrer Galter sang deutlich mit. Viele wunderten sich. In meiner Studentenzeit hörte ich erst die Geschichte. Wie? Er kann singen am Grab seiner 19 Jahre alten Tochter? Unerhört. Wie kann man singen am Grab seiner 19 Jahre alten Tochter?

Ja als von Gott gehörter und geliebter hat er gesungen zur Verwunderung vieler. Er glaubte und wusste sein Kind bei Gott in aller Ewigkeit gut aufgehoben. Viele hatten nicht seine Glauben und verstanden ihn nicht. Ja sie sprachen sogar unschöne Dinge aus, aus ihrer Sicht. Ihnen fehlte der Glaube.

Unser Glaube überwindet nicht nur die Welt sondern auch den Tod! Der Glaube ist wie die Liebe! Beide können sie stärker sein als der Tod.

Das geht natürlich nicht bei jedem. Damit der Glaube und die Liebe tiefe Wurzeln bekommen muss man in die Schule Gottes gehen. In die Schule seiner Liebe, in die Schule seines Glaubens und in die Schule seiner Gebote. In dieser Schule Gottes wird geübt Tag und Nacht. In den höhen und Tiefen des Lebens. Hier werden die Wunder und die Perlen des Glaubens entdeckt.

Hier werden die Wunder und die Perlen der Schöpfung entdeckt. Man bekommt Augen zu sehen und man bekommt die Erkenntnis, erst mit dem Herzen sieht man richtig.

Es gibt so viel Wunderbares im Leben, in der göttlichen Schöpfung worüber wir danken und jubeln können. Ich erinnere mich an die Konfirmanden letztes Jahr in Gernsheim wie köstlich sie sich amüsierten mit Wasserspielen. Es war ein warmer Maitag und sie genossen die Sonne und das Wasser in ihrem Spiel. Es war eine ausgelassene Stimmung und ich teilte ihre Freude.

Als ich mit der Predigt zu Jubilate begann, sie auf zu schreiben sah ich im Garten einen Zaunkönig. Ein kleiner zierlicher Vogel, mit feinen Stelzfüßen, und schönem leicht rötlichem Schwanz. Er spazierte auf dem Rasen und sammelte Moos für sein Nest.

Wer hätte das gedacht: Der nur neun Gramm leichte Zaunkönig schmettert in einer Lautstärke los, die wir ihm so nie zutrauen würden. Jede Gesangsstrophe dauert etwa fünf Sekunden und besteht aus einer Kaskade hoher Töne und schneller Triller. Mit einem harten „tek“ oder auch „trrrrrr“ schlägt er dagegen Alarm.

Vieles ist an ihm besonders, so auch sein Nest: Der „König“ baut gleich mehrere, kunstvoll verwobene, kugelförmige Nester, von denen sich seine „Königin“ eines aussucht. Erst danach wird dieses Nest mit feinem Moos ausgepolstert, und fertig ist der Palast für viele kleine Zaunprinzen und –prinzessinnen. Unseren Garten hatte er vor Jahren zu seiner Brutstätte auserkoren und das hatte mir viel Freude bereitet. Seit damals kenne ich den Zaunkönig besser. Er ist ein kleines Wunder der Natur, der dem Schöpfer und uns in den höchsten und schönsten Tönen jubiliert.

Die behinderte Tochter, das Singen des Vaters am Grab der Tochter, das Zwitschern und Jubilieren des Zaunkönigs, all das und unendlich vieles mehr gehört zu der wunderbaren Schöpfung Gottes. Seiner unermesslichen Liebe. Er liebt den Sohn und wir lieben Vater und Sohn im Heiligen Geist. Diese Liebe kann uns zu neuen Menschen machen im Glauben. Dass wir das Leben sehen und spüren in seinem Schmerz. Dass wir das Leben lieben und schätzen in seiner Freude. Dass wir das Leben bejahen auch im Angesichte des Todes. Weil wir neu und gefestigt wurden in der Liebe durch die starken Kräfte die niemals Unrecht tun. Ist jemand in Christus, so ist er ein neuer Mensch, der mit dem Herzen sieht.

Jubilate! Jubilate Deo! Jubelt Gott mit Freunden. Er hat viel tausend Weisen für jeden um einzustimmen in seinen Jubel. Eine Weise ist für Dich! Suche sie und Du wirst sie finden! AMEN Und der Friede des Herrn sei mit uns allen!