Ev. Melanchthongemeinde Griesheim
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Okuli 2015 Lukas 9. 57-62

Vom Ernst der Nachfolge

57Und als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu Jesus: Ich will dir folgen, wohin du gehst.

58Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege. 59Und Jesus sprach zu einem andern: Folge mir nach! Der sprach aber: Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe.

60 Aber Jesus sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes! 61Und ein andrer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Haus sind. 62Jesus aber sprach zu ihm: Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.

Liebe Schwestern, liebe Brüder,

Jesus spricht mit seinen Freunden. Dem Gespräch gibt er Tiefgang. Die Füchse haben Gruben, die Vögel Nester. Ich habe keinen Ort der Geborgenheit. Nachfolge ist nicht nur etwas für die Sonntagspredigt sondern für das Leben in der Entsagung. 7 Wochen ohne kann eine Hilfe sein. Warum nicht?

In drei Gedanken Gängen versuchen wir Jesus im Geist zu folgen.

Gespräch mit Tiefgang?

Dazu muss ich frei sein!

Leben mit Tiefgang kann vor Ort sein.

Liebe Gemeinde,

erstaunlich wie Jesus seine äußerliche Ungeborgenheit beschreibt. Die Füchse haben Gruben. Die Vögel Nester. Ich habe nichts, wo ich mein Haupt hinlegen könnte. Warum er es tut? Da gab es ein Echo auf seine Arbeit, auf sein Tun und Lassen. Wir gehören zu Dir, sagen seine Freunde. Ich bin Dein Freund sagt der eine. Überall durch dick und dünn, werde ich Dich begleiten. Großes Bekenntnis. Da hat Jesus scheinbar das Gefühl, das ist schön und gut gemeint, aber im Zweifel wird es zu wenig sein. Also legt er nach. Folge mir. Ich möchte, dass Du mit gehst. Jetzt.

Jetzt geht gerade nicht. Der eine hat das natürlichste der Welt. Eine Beerdigung. Da muss ich hin. Hier hat man den Eindruck, dass Jesus übertreibt. Trauerfeier in der Familie geht vor. Was soll dieses steile Wort. Wir sollen uns damit die Augen reiben und die Herzen. Vielleicht erreichen wir dadurch mehr Tiefe im glühenden Glauben, der lebt und nichts mehr scheut. Vor allem keine Vorwände. Nachfolge hat Vorrang. Nichts anderes. Kann mit nichts ersetzt werden. Jesus beginnt hier seinen Weg nicht nur für sich, sondern für seine Freunde mit aller Konsequenz und allem Tiefgang aufleuchten zu lassen. Sein Weg leuchtet in der Tiefe des Herzens in der Tiefe des Lebens in der erschreckenden Ungeborgenheit auf. Wenn die äußerlichen Umstände unsicherer werden da festigt sich der Glaubensweg des Herzens. Je mehr Unsicherheit draußen ist, desto mehr Sicherheit ist drinnen. In der Liebe. Im Glauben. In der Hoffnung. Wenn das so einfach wäre…

Bedingungslose Nachfolge scheint auf als Ziel. Dieses Ziel gibt dem Gläubigen einen tiefen Schein ins Herz. Meine Augen sehen zum Herrn. Meine Augen sehen das Ziel. Sein Licht erfüllt und befreit. Es befreit von den Altlasten. Es befreit vom Scheuklappendenken. Von den gefühlten Scheuklappen. Von allem. ER befreit von allen Vorwänden. ER befreit zu der bedingungslosen Nachfolge.

7 Wochen ohne, kann hier Hilfe sein. Du bist schön. 7 Wochen ohne runtermachen. Alle Menschen sind schön. In Russland und Amerika. Beide Putin und Obama. Heute lese ich oft in der Zeitung, dass Putin hässlich ist. Obama sei schöner. Wir verstehen den Hintergrund. Putin tut Dinge die nicht gut sind. Deswegen ist er hässlich. Sein innerer Mensch. Ob es was bringt ihn mal hoch zu halten? Ich glaube vor dem Krieg hat er Angst wie alle andern. Er hat auch Angst.

Angst und Schönheit verbindet. Angst und Schönheit machen frei. Frei zu denken und frei zu glauben. Der Glaube braucht Freiheit. Nur in Freiheit kann eine Entscheidung aus innerer Überzeugung getroffen werden. Vor allem eine Entscheidung mit Tiefgang. Eine Entscheidung die Konsequenzen nicht scheut. Jesus bleibt mit seinen Freunden in einem inneren Dialog damit diese gefestigt werden. Damit sie merken wir haben keine Gruben, keine Nester, geschweige Häuser.

Was will hier einer sagen der im Haus wohnt? Darf er mitreden? Er, sie, es dürfen mitreden? Ich darf aber frei denken. Frei denken und frei entscheiden. Innere Freiheit des Glaubens ist ein hohes Gut. Es muss geübt und immer wieder neu erworben werden.

Es befreit und bricht die Decke des Schweigens in der das Herz, der Verstand und das Ich selbst gehüllt sind. Die Decke des Schweigens hält im Dunkel und in finsterer Verborgenheit den Geist und das Gefühl.

Zu allen Zeiten gab es Dinge die gesagt wurden und andere die verschwiegen wurden. Nach dem Krieg hieß es die Rotarmisten das waren die Bösen. Die haben gemordet und vergewaltigt. Die Amis gingen mit den Froilein tanzen. Jetzt ist ein Buch erschienen. Als die Soldaten kamen von Mirjam Gebhard. Und hier heißt es alle Soldaten nach dem Krieg haben böse Dinge getan und haben vergewaltigt. Auch die Amis. Die Rotarmisten sowieso. Nach 70 Jahren wird die Decke des Schweigens entfernet, ja viel mehr gebrochen. Sie war ja zementiert.

Die Wunden kommen an das Licht der Welt. Die Wunden kommen und sehen das Licht Jesus Christus. Sie sehen das Licht. Manche schon lange in der Ewigkeit. Dimensionen die wir denken und nicht mehr ergründen können. Ich glaube heute gibt es wieder neue Decken des Schweigens die zerrissen werden müssen, wie der Vorhang im Tempel. Damit das Heilige strahlt und heilt. Innen und außen. Dazu helfen konsequente Gedanken Jesu. Seine Gedanken schaffen Klarheit, lüften die Decken des Schweigens und bringen Leben und Wunden ans Licht. Heute schon und morgen und wenn es 70 Jahre danach sein sollten. Wir merken größere Dimensionen des Lebens und Glaubens im Gewesenen, im sein jetzt und in Zukunft. Er der da war, ist und sein wird, der öffnet unseren Horizont in alle Dimensionen der Zeit, der Tiefe, der Freude und des Leides. ER geht voran und wir versuchen zu folgen.

In seiner Nachfolge lernen wir dran bleiben, im denken, Tun und Lassen. Und vor allem den Tiefgang nicht zu scheuen. Manchmal tut er weh. Er kann befreien und neu Zukunft eröffnen. Er macht uns neu sprachfähig und lässt uns unserer Zukunft sicherer entgegengehen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen