Ev. Melanchthongemeinde Griesheim
- Herzlich Willkommen


 

 Invokavit

1. Johannes 3,8b Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.

Gnade sei mit euch und Frieden von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus.

Im Spiegel der Versuchung Jesu entdecken wir unsere Versuchungen. Zunächst ist ein dunkles Bild, das immer mehr Konturen bekommt. Erfahrungen in der Wüste, in der Einsamkeit und in der Bezugslosigkeit führen zum Schöpfer und Erhalter des Lebens.

Liebe Gemeinde,

Jesu Versuchung Matthäus 11


Da wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt,
damit er von dem Teufel versucht würde.

Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn.

Und der Versucher trat zu ihm und sprach:
Bist du Gottes Sohn, so sprich, dass diese Steine Brot werden.

Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben (5.Mose 8,3): »Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.«
Da führte ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt und stellte ihn auf die Zinne des Tempels
und sprach zu ihm:
Bist du Gottes Sohn, so wirf dich hinab; denn es steht geschrieben (Psalm 91,11-12): »
Er wird seinen Engeln deinetwegen Befehl geben; und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.« Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht auch geschrieben (5.Mose 6,16): »
Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.«

Darauf führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit
und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest.
Da sprach Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn es steht geschrieben (5.Mose 6,13): »
Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen.«
Da verließ ihn der Teufel. Und siehe, da traten Engel zu ihm und dienten ihm.

Herr Gott segne diese Worte an unseren Herzen!
AMEN


Liebe Gemeinde,

in der Geschichte von der Versuchung Jesu lässt uns Gott in den Spiegel unseres Lebens schauen. Wir sehen im Spiegel zunächst ein dunkles Bild:

Das ist doch seine Geschichte. Das ist die Versuchung Jesu Christi. Je mehr wir aber in den Spiegel dieser Versuchung sehen, desto mehr sehen und merken wir, das sind unsere Versuchungen, die da vorkommen; das ist unser gefährdetes Leben, in dem wir nicht immer Herr der Situation sind. Und eben auch nicht Herren unseres Selbst.

Wenn wir in den Spiegel der Versuchung Jesu schauen, fragen wir nach inneren Beweggründen des Menschen. Nach dem was uns bewegt und treibt. Wir merken und erkennen, unser inneres getrieben sein, unsere inneren seelischen Wunden, die Energien rauben und verbrauchen, wir erkennen dass wir oft fremdgesteuert sind, und können es nicht benennen. Wir merken dass wir oft in der Wüste sind, in der Einsamkeit der Bezugslosigkeit, die die Gefährdung der Seele und des Lebens deutlich machen. In all dem machst sich Angst breit.

Angst macht sich breit in der totalen Einsamkeit. Diese Einsamkeit nenne ich die Einsamkeit zum Tod: da ist kein Gott und da ist kein Mensch. Wenn der Mensch Mutterseelen allein ist, ganz allein, dann macht sich tiefe Angst breit. Davor möge Gott jeden Menschen bewahren.

Dazu gibt die andere Einsamkeit. Diese nenne ich, die Einsamkeit zum Leben. Da ist man allein, doch Gott ist auch da. Der Herr der Zeit und der Ewigkeit. Der Gott, der uns unendlich liebt durch seinen Sohn Jesus Christus ist an unserer Seite. Wir können zwar einsam sein, mit ihm aber sind wir nie allein. Wir dürfen Gott an unserer Seite wissen. ER trägt und er hilft. Gott schenkt Kraft in unserer Wüste.

In der unendlichen göttlichen Verbindung, in der Einheit – Gott Vater und Sohn – im Heiligen Geist geht Jesus in die Wüste.
Jesus wird in die Wüste, in die Einsamkeit geführt. Vom Geist heißt es wird er in die Beziehungslosigkeit geführt. Vierzig Tage und Nächte fastet er. Einsam und allein ist er. Kein Mensch ist da, kein Bezug, den das Leben in seiner Natürlichkeit braucht. In diese Situation der Bezugslosigkeit, der Einsamkeit kommt der Versucher.
In die Situation des Nichts Sein und nichts Habens kommt der Versucher. Der Teufel: mit all seinen Gesichter. Der Versucher kennt das Leben. ER spricht an in den ganz elementaren Dingen des Lebens. Dem Lebenshunger.

In der Wüste, in der Einsamkeit des Hungers, des Lebenshungers, stellt er die Frage nach dem Brot. Nach dem Brot des Lebens fragt er. Und er will verführen mit göttlichen Worten. Wenn Du der Sohn Gottes bist, dann sprich zu den Steinen, dass sie Brot werden.

Als der Vollmächtige Gottes könntest Du doch Brot aus Steinen werden lassen. Das große Wunder. Du hättest zu essen.
Die Welt hätte zu essen. Alle würden dir zu Füssen liegen. Die wundersame Verwandlung der Steine in Brot. Keine Bäckereien und Brotfabriken wären mehr nötig auf der Welt.

Jesus läst sich nicht durch vermeintliche Wunder provozieren. Auch nach 40 Tagen und Nächten Fasten in der Wüste. Das größere und stärkere Wunder ist, dass er lebt und widersteht. »Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.«
Mein Brot des Lebens ist Gott, erst dann das Brot zum essen. Diese Reihenfolge legt Jesus uns nahe. ER tut seine milde Hand auf und sättigt alles nach einem Wohlgefallen.

An dieser Stelle könne der Versucher das Weite suchen wenn er Taktgefühle hätte. Doch zum Teufel gehören keine Taktgefühle. Der gibt keine Ruhe. Manchmal gibt es Menschen, die keine Ruhe geben. Weiter versucht der Teufel Jesus und den Menschen mit göttlichen Worten. Du kannst Dich von der Zinne stürzen, denn es steht geschrieben in den Heiligen Schriften: „Er wird seinen Engeln deinetwegen Befehl geben; und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt“. Ganz fürsorglich tut der Versucher. Ganz fürsorglich agiert manchmal der Teufel und wirft seine Netzte aus, welchen er fangen und verschlingen könnte.

Jesus wägt ab. Jesus lehrt uns abzuwägen und zu unterscheiden. Die Kraft der Vernunft hat Gott uns gegeben. Gott sollen wir nicht versuchen. Mit seinen Worten sollen wir nicht spielen und herumexperimentieren. Vor allem sollten wir nicht dem Irrtum verfallen; wir könnten ja auch sagen was Jesus gesagt hat. Hier gibt es den Unterschied zwischen Jesus und uns wie Himmel und Erde. JESUS hat den Versuchungen widerstanden. Wir erliegen unseren Versuchungen.

An dieser Stelle merke ich: Jesus verzichtet. ER verzichtet zu tun, was er tun könnte. Er verzichtet darauf aus Steinen Brot zu machen. ER verzichtet darauf von der Zinne zu springen.
Im Verzicht beginnt seine Passion. Die tiefe Liebe zu Gott stärkt ihn zum Verzicht. Ich glaube, wenn ich Gott wirklich liebe, kann ich auf sehr viel verzichten.
Im Verzicht zeigt sich Jesu Passion für Gott.
Im Verzicht kann sich auch unserer Passion zu Gott zeigen. Unsere Leidenschaft für Gott.

Und wenn ich denke an die Geld Milliarden, die als Schutzschirme von Politikern heutzutage beschlossen werden, für Baken und Wirtschaft, an das Geld das da ausgeschüttet werden soll, dass der Wohlstand bleibt; dann stellt sich mir die Frage: Wo ist Verzicht nötig? Wo kann Verzicht Hilfe und Rettung sein? Ich weiß, mit Verzicht kann man sich nicht kaufen. Auf der Einbandstraße Wohlstand gibt es keine Umkehr? Ich weiß die Situation ist komplex. Doch jetzt mit dem Beginn der Passionszeit üben wir immer: weniger ist mehr. Weniger kann mehr sein auch in der heutigen Zeit.

Zunächst das Weniger im täglichen Konsum. Bestimmt können wir mit weniger auskommen. Wenn wir mit weniger Konsum beginnen, mit dem Weg der kleinen Schritte könnten wir einiges schaffen.

Mit Jesus könnten wir in die Wüste gehen. Mit Jesus könnten wir uns den Fragen der Einsamkeit stellen. Wer bin ich? Was vermag ich. Was brauche ich? Wessen Brot esse ich? Mehr das vom Bäcker oder mehr das von Gott!? Wessen Lied singe ich? Kann und mag ich verzichten? Bin ich so frei zum Verzicht?
Was fesselt mich?

Die Passion für Gott kann uns allen helfen. Ich glaube, wenn wir uns in der Passion des Lebens diese Fragen stellen,
werden die Engel kommen und uns dienen. Von der letzten Frage der Versuchung werden uns die Engel befreien, nämlich von der Machtfrage. Macht ist süß wie Honig. Und wer davon gekostet hat, der gibt das Honigglas nicht aus der Hand.

Doch wenn wir die Macht der Liebe anbeten werden die Engel kommen und uns dienen. Das süße Honigglas der Macht werden wir dann freiwillig aus der Hand geben, weil wir glauben dass der Dienst der Engel an uns lebenswerter ist. Das bedeutet bereits Passion; Leiden und Leidenschaft. Gott erfüllt und bildet unsere Herzen neu in der Nachfolge Jesus Christi.

Und der Friede Gottes der höher ist als unsere Vernunft, der bewahre unserer Herzen und Sinne in Christus Jesus.
AMEN.

Ihr Pfarrer Konrad Rampelt