Ev. Melanchthongemeinde Griesheim
- Herzlich Willkommen


 

Reminiszere

Mk 12. 1-12 Gnade sei mit euch und Frieden.
Von den bösen Weingärtnern
Und JESUS fing an, zu ihnen in Gleichnissen zu reden:
Ein Mensch pflanzte einen Weinberg und zog einen Zaun darum und grub eine Kelter und baute einen Turm und verpachtete ihn an Weingärtner und ging außer Landes.
Und er sandte, als die Zeit kam, einen Knecht zu den Weingärtnern, damit er von den Weingärtnern seinen Anteil an den Früchten des Weinbergs hole.
Sie nahmen ihn aber, schlugen ihn und schickten ihn mit leeren Händen fort.
Abermals sandte er zu ihnen einen andern Knecht; dem schlugen sie auf den Kopf und schmähten ihn.
Und er sandte noch einen andern, den töteten sie; und viele andere: die einen schlugen sie, die andern töteten sie.
Da hatte er noch einen, seinen geliebten Sohn; den sandte er als Letzten auch zu ihnen und sagte sich: Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen.
Sie aber, die Weingärtner, sprachen untereinander: Dies ist der Erbe;
kommt, lasst uns ihn töten, so wird das Erbe unser sein!
Und sie nahmen ihn und töteten ihn und warfen ihn hinaus vor den Weinberg.
Was wird nun der Herr des Weinbergs tun?
Er wird kommen und die Weingärtner umbringen und den Weinberg andern geben.
Habt ihr denn nicht dieses Schriftwort gelesen (Psalm 118,22-23):
»Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden.
Vom Herrn ist das geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen«?
Und sie trachteten danach, ihn zu ergreifen, und fürchteten sich doch vor dem Volk; denn sie verstanden, dass er auf sie hin dies Gleichnis gesagt hatte. Und sie ließen ihn und gingen davon.
Herr Gott segne diese Worte an unseren Herzen.
AMEN!

Liebe Gemeinde,

von der Leidensgeschichte Gottes mit den Menschen hören wir heute: von Verständnislosigkeit und Boshaftigkeit des Menschen, damit wir umkehren und auf die Spur der Liebe und Barmherzigkeit zurückfinden. Die Leidensgeschichte Gottes mit den Menschen wird für uns ausgemalt in diesem Gleichnis, damit unser steinernes Herz bekehrt wird, damit wir umkehren von unbarmherzigen Wegen, damit wir liebevoll und barmherzig werden.

 

Die tiefe Trägheit des Herzens will Gott bei uns erreichen und verwandelt in Verständnis, Liebe und Barmherzigkeit.

Das alles tut Gott für uns damit wir gutes tun für ihn, damit wir ihn suchen, damit wir ihn finden; damit wir die Menschen suchen und finden in ihren Nöten.

Die Situation des Menschen vor Gott wird heute im Gleichnis beschrieben. Wir hören bei den Weingärtnern von viel Ungerechtigkeit, Boshaftigkeit, Niedertracht, Undankbarkeit, Brutalität, ja von Mord, der zum Himmel schreit.

Andererseits, wird Gott als der Herr des Weinberges beschrieben.
Der alles tut für seinen Weinberg.
Ein Mensch pflanzte einen Weinberg. Er zog einen Zaun darum und grub eine Kelter und baute einen Turm und verpachtete ihn und ging außer Landes.

Gott bestellt seine Erde, seinen Weinberg. ER gibt uns was wir zum Leben nötig haben. Gesundheit und Wachstum an Leib und Seele…. ER segnet seine Erde. ER segnet die Menschen.

ER ist der Herr in Freud und Leid. Beides kommt von ihm, beides dürfen wir aus seiner weisen und wohlwellenden Hand annehmen. Damit könnten wir gut leben; damit könnten wir gut sterben.

Doch der Mensch bewegte sich und bewegt sich längst nicht im göttlichen Rahmen; der Mensch bleibt nicht im Garten Eden. Der Mensch bleibt nicht im Rahmen des göttlichen Wohlwollens.
Er fällt aus dem göttlichen Rahmen: Ungerechtigkeit, Boshaftigkeit, Niedertracht, Undankbarkeit, Brutalität, ja Mord. Das gibt es: Der Mensch, die Völker führen Krieg. Auch heute.

Obwohl Gott auf Erden die Boten des Friedens sendet. Es werden Kriege im Kleinen und im Großen weltweit geführt.

Die Propheten des Alten Bundes haben immer wieder versucht das Volk Gottes in seinen besonderen Lebenssituationen wachzurütteln mit der Botschaft Gottes, des barmherzigen Vaters.
Jesaja, Amos, Jeremia und viele andere.
Amos zum Beispiel beschreibt den Verfall seiner Gegenwart als den unsittlichen Wandel eines Menschen. Dieser unsittliche Wandel wird zum Bild für das unmögliche Verhalten des Gottesvolkes. Ich erwähne hier in besonderer Weise AMOS weil ein ehemaliger Politiker mir mal sagte: „das größte Problem der Gegenwart ist die geistige und geistliche Prostitution“.

Das lege ich so aus: zu vielen geht es nicht um das Wohl des Menschen, des Volkes, ja geschweige die Sache Gottes; es geht zu vielen um die eigene Sache um das Eigene, eitle EGO, um den persönlichen Vorsprung um Gewinn und Macht.

Das sind alles Dinge, niedere Dinge nenne ich sie, die die Persönlichkeit nach außen zu stärken scheinen; doch mit einer zweifelhaften Stärke. Nach innen höhlt Egoismus und Macht nur aus. Ein leeres, ängstliches und einsames Herz ist das Ergebnis.

Die zweifelhafte Stärke höhlt nach innen aus!
Hören wir doch genauer hin: Und Gott sandte als die Zeit kam, einen Knecht zu den Weingärtnern; damit er von den Weingärtnern seinen Anteil fordere. Sie nahmen ihn aber, schlugen ihn und schickten ihn mit leeren Händen fort.

War das nicht oft das Schicksal der Propheten im Alten Testament?
Abermals sandte er zu ihnen einen andern Knecht. Dem schlugen sie auf den Kopf und schmähten ihn. Was taten sie mit Jeremia? Sie warfen ihn in eine Wassertonne als er ihnen Unbequemes sagte. Was taten sie mit Martin Luther King? Der in Amerika einen Traum für Frieden hatte? Sie töteten ihn.

Was tun sie heute mit denen, die unbequeme Wahrheiten sagen? Sie werden mundtot gemacht.

Und er sandte noch einen Knecht, der Herr meinte, aus Anstand, aus Respekt vor ihm würden sie den verschonen. Doch gerade hier sah die Boshaftigkeit die Stunde der Macht gekommen zu sein. Den töteten die Weingärtner. Den anderen schlugen sie. Die Serie, die Folge der Opfer hat kein Ende. Wir denken an die Märtyrer des Urchristentums.

Ein Kirchenvater sagte: „Das Blut der Märtyrer ist der Same der Kirche.“ Um diesen Tiefgang, um dieses Leid, kommt die Kirche aller Zeiten nicht herum. Der Apostel Paulus weiß das. ER verkündet: Trübsal bringt Bewährung; Bewährung bringt Hoffnung; Hoffnung lässt uns nicht zuschanden werden. Denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen.

Schließlich sendet Gott seinen geliebten Sohn: ER meinte sie werden sich scheuen ihm etwas anzutun. Er ist doch mein Sohn. Ehrfurcht glaubt er, werden sie haben. Doch sie senken böse den Blick. Ehrfurcht und Scheu vor Gott und dem Leben sind verloren gegangen:
So berieten sich die angesehenen Weingärtner, und sagten; „Kommt lasst uns ihn töten. Dies ist der Erbe. Dann wird das Erbe unser sein. Und sie nahmen ihn und töteten ihn. Sie warfen ihn hinaus vor den Weinberg.

Außerhalb von der Stadt, außerhalb von der Hauptstadt Jerusalem ist Jesus gekreuzigt worden. Draußen vor den Toren der Stadt; Gott ist vor die Tür gesetzt worden.

Die Geschichte, das Gleichnis von den bösen Weingärtnern, lehrt mich zu fragen wann setzte ich Gott, seinen Sohn, seine Boten vor die Tür?

Wann setzte ich, wann setzen wir,  die göttlichen Boten vor die Tür?
Oder wann setzte ich, wann setzen wir,  die Botschaft vor die Tür, damit wir uns dem Ganzen nicht aussetzen müssen?

Fragen die unser Erinnerungsvermögen fordern!
Reminiszere hat mit dem Erinnern an die Wohltaten Gottes zu zun. Aber auch mit dem Erinnern an die Schadtaten und Untaten der Menschen. Schuld gilt es nicht  mit dem Schwamm wegzuwischen, sondern als schwer Beladene zu ihm, zum Herrn zu kommen. ER hat unseren Schuldbrief ans Kreuz geheftet.  Dafür sind wir dankbar, loben und preisen ihn. So kommen wir wieder auf die Spur der Liebe und der tragenden Barmherzigkeit.

Liebe Gemeinde,

Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus gestorben ist als wir noch Sünder waren. Jesus nahm den Kreuzesweg auf sich. Weil wir Gott vor die Tür gesetzt haben in Gedanken, Worten und Werken und immer neu vor die Tür setzen. Darum nahm Jesus das Kreuz auf sich. Er will das wir ihm die Herzenstür öffnen. ER will unser Herz bilden im Heiligen Geist.

Warum erzählt Jesus uns dieses Gleichnis?

Damit wir auf Gott sehen. Damit wir uns an seine Wohltaten erinnern und ihn loben und preisen.
Jesus erzählt uns dieses Gleichnis, damit wir eine Ahnung bekommen von der Böswilligkeit und Boshaftigkeit des Menschen. Damit wir nicht sehen auf das, was die Menschen tun und das gleiche tun. Sondern damit wir auf Gott sehen und uns an ihm und nicht an der Boshaftigkeit des Menschen orientieren. Damit wir nicht dem Gericht und der ewigen Verdammnis Gottes verfallen.

Auch wenn Menschen böse Absichten haben, sollen wir uns nicht verführen lassen und diese bösen Absichten übernehmen. Wenn Menschen böse sind, sollen wir uns nicht verführen lassen selbst böse zu sein.

Wir sind gerufen umzukehren, zu dem guten und barmherzigen Gott. ER will mit uns mitgehen. Er lässt keinen allein. Er begleitet in guten und schweren Zeiten.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. AMEN

Mit herzlichen Grüßen Konrad Rampelt, Pfarrer